Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das künstlerische Klavierspiel in seinen physiologisch-physikalischen Vorgängen
Person:
Caland, Elisabeth
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38455/35/
Die Schulterblattsenkung als grundlegende Bewegung. 
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„Wenn der äußere Winkel des Schulterblattes durch die unteren 
Portionen des Latissimus dorsi und des Pectoralis major fest herab¬ 
gedrückt gehalten wird“ etc.1). — 
Wir halten es für wichtig, daß sich der lehrende Musiker, da 
er die Bewegungen seines Körpers einigermaßen kennen muß, eine 
bestimmte Kenntnis über den beim Klavierspiel tätigen Muskelapparat 
aneignet. Wer sich eingehender mit unserer Schrift befaßt, wird sich 
vergewissern, daß es sich in „die Ausnutzung der Kraftquellen“ nicht 
um eine Aufzählung und Beschreibung der einzelnen Muskeln handelt, 
die wenig Zweck hätte, sondern daß von uns außer der Fest¬ 
stellung der beim Spielen zu gebrauchenden Muskeln der Versuch 
gemacht wurde, Vorgänge, die wir beim Spiel als richtig empfanden 
und die von einer bis dahin ungeahnten Wichtigkeit für 
das künstlerische Spiel sind, näher zu beschreiben, d. h. 
die Arbeit von Muskeln untereinander, deren Beteiligung bei be¬ 
stimmten Bewegungen notwendig und naturgemäß ist, annähernd fest¬ 
zustellen. Die Aufdeckung dieser Vorgänge, die unserem eigensten 
Forschungstriebe entsprungen sind, bezweckten die den technischen 
Phenomenen zugrunde liegenden und der physiologischen Wissen¬ 
schaft selber bislang noch zum Teil dunklen Muskelfunktionen 
*) Vor einiger Zeit fiel uns durch Zufall ein Buch über Anatomie aus 
dem Jahre 1706 in die Hand. Dieses Werk übte durch die Wiedergabe der 
wundervollen anatomischen Illustrationen von Tizian (deren Echtheit durch den 
Herausgeber betont wird) und den originellen Text von Andreas Vesalius, 
dem Reformator der Anatomie, einen großen Reiz auf uns aus. Der Titel heißt: 
„Andreae Vesalii Bruzellensis, Des Ersten Besten Anatomici, Zergliederung des 
menschlichen Körpers auf Mahlerey und Bildhauerkunst gericht. Die Figuren 
von Tizian gezeichnet. Augspurg / Gedruckt und Verlegt durch Andreas Maschen- 
baur / 1706.“ (Das Original stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist lateinisch 
abgefaßt.) Wir geben den Text der Beschreibung des Latissimus hier wieder, 
in welchem kurz auch auf seine Verbindung mit dem Schulterblatt hingedeutet 
wird: „Tabelle V Der Largissimus, oder die gar breite Musel komt vom Osse- 
Sacro, von dem Capite-superiori Ossis Ilium, allen Vertebris Lumbaribus, und 
denen 6 oder 7 Vertebris Inferioribus dess Rucken; geht mit der einen Seiten 
ob dem Inferiori angulo der Omoplatae, allwo sie sich en passant attachirt, und 
erstreckt sich gegen das Os Brachii, sich mit dem Pronatore proprio zu ver¬ 
einigen.“
        

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