Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anhaltspunkte zur Kontrolle zweckmäßiger Armbewegung beim künstlerischen Klavierspiel
Person:
Caland, Elisabeth
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38454/103/
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Es ist ohne Zweifel, daß der Violinist die Schulterblattsenkung beim 
bogenführenden Arme anwendet und zwar dann besonders, wenn innigste, 
intensivste Tonwirkung erzielt werden soll, ja, ich glaube, daß sie in diesen 
Fällen die conditio sine qua non für das Prinzip größter Wirkung ein¬ 
dringlichster Tongebung ist. Bisher unbewußt angewandt, wird man nun¬ 
mehr die Lehre von der Schulterblattsenkung unbedingt in die Pädagogik 
einführen müssen. Die Calandsche Schulterblattsenkung wirkt auf das Ge¬ 
wicht insofern, als sie durch Hebelwirkung eine Gewichtsentlastung des Armes 
fühlbar werden läßt, dadurch eine geringere Arbeitsleistung der führenden 
Muskulatur nötig macht und im Gefolge davon wiederum eine größere Be¬ 
herrschung des Druckelements herbeiführt. Die Schulterblattsenkung erweist 
sich als ein die Tonbildung verfeinerndes und vertiefendes Element; mag 
die Begründung sein welche sie wolle, das Wesentlichste der Bewegung 
bleibt die Kraftentlastung, durch die eine außerordentliche Beherrschung des 
Armgewichtes gewonnen wird zugunsten feinster Abwägung in der Ver¬ 
bindung von Druck und Zug des Bogens. Das Prinzip höchster 
W i r k un g s i n t e n s i t ä t bei k I ei n s t e r Kr af 11 e i s t u n g k o m m t 
durch die Schulterblattsenkung zum Ausdruck. 
Aus : „Violintechnik und Geigenbau“ von Hans Diestel. 
(Verlag C. F. Kahnt Nachfolger, Leipzig 1912.) 
Aus Abschnitt: „Über die Schulterblattsenkung“. 
Ich habe die Information über „die Schulterblattsenkung“ bei 
E. C a 1 a n d selber gesucht (das „Künstlerische Klavierspiel“ und „die Aus¬ 
nutzung der Kraftquellen beim Klavierspiel“) und die in Rede stehende Be¬ 
wegung an mir selber und an Schülern versucht und geübt. Die dabei von 
mir beobachtete günstige Wirkung auf die Spielfähigkeit läßt es mir wert¬ 
voll erscheinen, den Gang und die Resultate meiner Versuche mitzuteilen. 
Von der unwillkürlichen Mitbewegung des Schultergürtels beim Arm¬ 
heben ausgehend, hat E. Caland eine Kunstbewegung angegeben (die uns 
nicht ohne weiteres zu Gebote steht, sondern erlernt 
werden muß). Das Schulterblatt soll abwärts gezogen werden und in 
gesenkter Stellung fixiert werden, während der Arm nach vorne erhoben 
wird. Es handelt sich also um eine selbständige, ge¬ 
wollte Bewegung des Schultergürtels, welche zunächst 
die unwillkürliche Mitbewegung des Schulterblatts 
beim Armheben verhindern soll. 
Die Kraft, die diese willkürliche Senkung des Schulterblattes bewirkt, 
wird durch die Zusammenziehung der Rückenmuskeln unter besonders starker Be¬ 
teiligung der unteren Portion des Latissimus dorsi gewonnen. Durch gleichzeitige 
Schulterblattsenkung beim Armheben vorwärts, wird die Arbeitsleistung und 
damit der Kraftaufwand der den Arm aufwärtsziehenden Muskeln verringert 
(also hier Kraft gespart), während die Arbeitsleistung der das Schulterblatt 
abwärtsziehenden Muskeln vergrößert wird. Es werden also die Rücken¬ 
muskeln zu kräftiger Mitarbeit herangezogen, welche die an Schulter und 
Brust gelegenen Muskeln entlastet, so daß von der Erschließung und Nutz¬ 
barmachung einer neuen Kraftquelle zur Erleichterung von Armbewegungen 
im Folgenden gesprochen werden kann. 
Es stellt sich ferner die Empfindung großer Leichtigkeit der Arme 
und Hände, sowohl bei ihrem Heben, als auch bei ihrem Senken, ein. Dieses 
Gefühl erklärt sich durch die infolge der Schulterblattsenkung eintretende
        

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