Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der alten und mittelalterlichen Musik
Person:
Westphal, Rudolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38453/94/
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Zweites Kapitel. 
das Tiefe als oben bezeichnet, ist also dem modernen gerade entgegen¬ 
gesetzt; wollen wir sachlich richtig übersetzen, so müssen wir für Nete 
das Wort „oberste“, für Hypate das Wort „unterste“ wählen. 
Wozu die beiden verschiedenen Scalen? Wir wissen,.dass es eine 
Dorische und eine Aeolische Tonart gab — um von der Böotischen zu¬ 
nächst abzusehen. Auf dem mit h beginnenden Heptachorde lässt sich 
keine Aeolische Melodie spielen; es kommt auf ihr zwar der Aeolische 
Schlusston vor, aber als höchster Ton, und es lässt sich schwer denken, 
dass man eine Melodie mit dem höchsten Tone der ganzen zu Gebote 
stehenden Scala geschlossen habe. Dagegen lassen sich auf dem in 
Rede stehenden Heptachord die Dorischen mit e schliessenden Melodien 
darstellen, denn e ist hier der in der Mitte liegende Ton. Dies müssen 
dann aber Melodien von plagalischem Bau gewesen sein, die sich über 
den Schlusston der Melodie e bis zur Oberquarte a in die Höhe und 
abwärts bis zur Unterquarte h in die Tiefe bewegten. Ausserdem lässt 
sich auf diesem Heptachorde auch die Böotische in c schliessende Me¬ 
lodie darstellen : über dies c kann sie noch einen Ton in die Tiefe hin¬ 
aus und sechs Töne in die Höhe steigen. 
Auf dem zweiten mit e beginnenden Heptachorde lässt sich eine 
Dorische Melodie von authentischem Baue darstellen, denn e ist hier 
der tiefste Ton; sodann aber auch eine Aeolische in a schliessende 
Melodie von plagalischem Bau, die hier, analog wie die Dorische, auf 
dem ersten Heptachorde von der Oberquarte bis zur Unterquarte des 
Grundtones geht. — Darstellbar auf den beiden Heptachorden ist also 
die plagalisch-Dorische und die plagalisch-Aeolische, sowie die authen- 
tisch-Dorische Tonart, nicht aber die authentisch-Aeolische.. 
Dorisch plagalisch (e) 
h c d e f g a 
Dorisch authentisch (e) 
e f g a h c d 
Aeolisch plagalisch (a). 
Hieraus müssen wir auf einen vorwiegend plagalischen Bau (1er alten 
Melodien schliessen. Auch die aus der Kaiserzeit uns erhaltenen 
griechischen Melodien sind sämmtlich plagalisch gebaut.. Bei uns ist 
es ja auch nicht.anders. 
Dass Terpander das mit e beginnende Heptachord, auf welchem 
die plagalisch-Aeolische und authentisch-Dorische Tonart genommen 
wurde, bereits vorfand, wird uns ausdrücklich überliefert. Er war
        

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