Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der alten und mittelalterlichen Musik
Person:
Westphal, Rudolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38453/61/
Uebersicht der Theorie der antiken Musik. 
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Daher müssen die antiken Moll-Melodien im Allgemeinen auf die 
Schlussform mittels der Unterdominante angelegt sein, wie in den er¬ 
haltenen dorischen Melodieen. Ausserdem aber ist das Dorische und 
Lokrische Moll auch noch eines grossen Dreiklangs auf der Unter¬ 
dominante fähig, was wir in einem unserer Kirchentöne, dem so¬ 
genannten Dorischen, wiederfinden. Der in Klammern stehende Accord 
der Lydischen Unterdominante und der Mixolydischen Oberdominante 
h d f ist gar kein Dreiklang, denn ihm fehlt die reine Quinte ; er 
scheint das einzige gemeinsame Band zwischen dem Lydischen und 
Mixolydischen zu sein, und hierin eben beruht vielleicht der Grund, 
weshalb die parallele Molltonart des Plirygischen Dur Mitoliöw ge¬ 
nannt worden ist. Nehmen wir den Accord in der Umkehrung d f h, 
so erscheint in demselben das übermässige Quartenintervall, welches 
die Alten xghovoi nannten. Das Vorkommen eines solchen Tritonos- 
accordes bezeugt Gaudentius S. 11: nagoxpm’oi 8è oi uiu-oi gèv uvijifùvov 
Km Suxqxivov, iv Sè xg xgovaei*) cpccivofievoi ‘jvuqxovot, wcrnsg ini xçiœv xorm 
yuirmm Sm'o ncÿmzax^ fiéaw (d. i. xaxi Siroc/uv, also f) im naçaflém,r 
(d. i. h) «ai in; Sio xovtüv- Stn'o fdaw ôtaxivov (sc. lyavoi d. i. g) êm naga- 
fièarjv (h). Das Tritonos-Intervall wird hier also geradezu dem grossen 
-Terzenintervall coordinirt. Doch lässt sich schwerlich denken, wie 
d j'h im Lydischen Dur als Accord verwandt sein kann. Eher passt 
es für die Molltonarten und zwar nicht bloss für die Mixolydische 
allein, sondern auch für die Dorische. Eür die Mixolydische Tonart 
ist uns ausserdem noch von Aristoxenus überliefert, dass sie wenig¬ 
stens im tragischen Chore in Verbindung mit der Dorischen angewandt 
weide. Plut. mus. 16: Agiaxo&voç Si qyt]m 2an(gà ngtoxr/v evçaa&m xrjv 
MiÇohiStaxi, nag fjç xovç xgayuôonocovç fia&éïr hrßorxa? yovr aixovç trv&vÇm 
xrj Acogitjxi, inet g ftèv to /xeycdongsnèç xai àÇiofiuxixor tmoSLSumr, ÿ Si xo 
naar,x,x6v, fiéfuxxm 5É dm xomm xgarœôia. Der Ausdruck mj», lässt 
sieh nicht so verstehen, dass neben der Dorischen auch noch die Mixo¬ 
lydische Tonart in der Tragödie Bürgerrecht gefunden, dass man also 
bald ein Canticum Dorisch, bald Mixolydisch componirt habe, sondern 
er deutet auf eine Verbindung beider Tonarten in demselben Canticum, 
wohl gar m demselben Theile hin, etwa so, dass man aus einer in die 
*) An dem Worte xgovtnç ist hier natürlich nichts zu ändern. Wollte man 
statt dessen xgmiç schreiben, so würde das sogar zu der angegebenen Definition 
der •(««», Sm
    

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