Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der alten und mittelalterlichen Musik
Person:
Westphal, Rudolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38453/43/
Uebersicht der Theorie der antiken Musik. 
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monischen Grundton und ist demnach ein rf-Moll mit grosser Sexte, 
welches sich als die parallele Molltonart der Lydischen Dur darstellt; 
ebenfalls wie das Dorische und Mixolydische Moll mit dem Melodie- 
schlusse in der Quinte: 
Aber welchen Namen führt diese Molltonart? Es hat sich gezeigt, 
dass die Octavengattung hcd efg a h je nach ihrer verschiedenen har¬ 
monischen Behandlung bald die Syntono-Iastische, bald die Mixolydische 
Octavéngattung sein kann, und so ist es auch für die vorliegende Octaven¬ 
gattung ahcdefga von Euklid, p. 16, Gaudentius p. 20, Bacchius über¬ 
liefert, dass sie die Hypodorische oder die Lokrische ist, zwei Namen, 
welche nicht etwa identisch sind, sondern nach S. 25 zwei verschie¬ 
dene Tonarten bezeichnen, — ja es sind nicht blos zwei, sondern sogar 
drei Tonarten, welche die gemeinsame Octavengattung ahcdefga 
haben, denn es hat sich oben gezeigt, dass dies auch die Scala der 
Syntonolydischen Tonart ist. Wie die Hypodorische und die Lokrische 
unter sich verschieden sind, so müssen beide auch von der Syn¬ 
tonolydischen verschieden sein. Denn dass die Hypodorische oder 
Aeolische mit der Syntonolydischen identisch sei, dem widerstreitet 
was uns von dem klagenden Charakter der einen, und dem vertrauens¬ 
vollen, freudigen und energischen Charakter der andern überliefert 
ist (S. 26 u. K. 2, 1), und ebensowenig darf man eine Identität der Syn¬ 
tonolydischen und Lokrischen Tonart annehmen, denn die Lokrische 
Tonart war schon zu Heraklides Ponticus’ Zeit ausser Gebrauch ge¬ 
kommen, die Syntonolydische ist aber noch zur römischen Kaiserzeit 
so vulgär, dass ein Musiker, der bereits das Spiel auf der Hydraulis 
bei der Klassification der einzelnen Zweige der Musik obenan stellt, 
für den Anfänger ein Uebungsbeispiel in der Syntonolydischen Tonart 
gewählt hat. 
Die in Bede stehende Tonart, welche das parallele Moll des Ly¬ 
dischen Dur ist, muss entweder die Lokrische oder die Hypodorische 
auch Aeolisch genannte Tonart sein. Ist sie die Lokrische, dann muss 
die derselben Octavengattung ahcdefga angehörende, aber von 
Westphal, Geschichte der Musik. 3
        

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