Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der alten und mittelalterlichen Musik
Person:
Westphal, Rudolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38453/238/
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Drittes Kapitel. Monodik und Instrumentalmusik 
immer ein einziges Halbtonintervall von zwei Ganztönen der Scala ein¬ 
geschlossen ist. Die beiden anderen sind das chromatische und enhar- 
monische. Sie haben sich nach Aristoxenus Angabe historisch aus der 
von Olympus angewandten Gestaltung der Scala, in welcher der auf 
das Halbtonintervall folgende höhere Ganzton ausgelassen wurde, ent¬ 
wickelt, z. B. in der Vorzeichnung mit Einem b: 
a b (c) d 
Vgl. Kap. II. In der Zeit nach Olympus nahm man nach Auslassung 
des Ganztones in doppelter Weise einen der Scala fremden Ton hinzu. 
Entweder fügte man nach dem Halbtonintervall einen zweiten Halb¬ 
ton ein: 
a b h (c) d 
und dies nannte man das Chroma, chromatische Tetrachordeintheilung, 
chromatisches Tongeschlecht. Oder man schaltete innerhalb des Halb¬ 
tonintervalles einen nicht blos der Scala fremden, sondern auch unserer 
Musik völlig unbekannten Ton innerhalb des Halbtonintervalles ein, so 
dass nun der Halbton in zwei Vierteltöne getheilt wurde. Dieser Ton 
ist höher als a, aber tiefer als b; wir können ihn sowohl als ein zu 
hohes a wie auch als ein zu tiefes b auffassen. Eine Bezeichnung dafür 
können wir aus unserer Musik nicht entlehnen; wir wollen ihn als ein 
a mit einem darüber gesetzten Sternchen bezeichnen a, dem wir die 
Bedeutung des zu hohen a beilegen wollen: 
a a b (c) d 
Dies nannte man Enharmonik oder Harmonie, enharmonische Tetra- 
chordeintheilung, enharmonisches Tongeschlecht. Das Intervall a a 
ist nach Aristoxenus gleich gross wie das Intervall ab; es heisstwenhar¬ 
monische Diesis“ oder Viertelton (Tetartemorion des Ganztones). 
Dem Aristoxenus ist es völlig geläufig, so gut wie der Halbton und 
der Ganzton; es ist das kleinste Intervall, welches in der alten Musik 
vorkommt, und daher benutzt es Aristoxenus, um hiernach die Grössen 
der übrigen Intervalle zu bestimmen. Der Halbton, sagt er, enthält zwei 
enharm. Diesen, derGanzton vier, die kleine Terz sechs, die grosse Terz 
acht, die Quarte zehn enharmonische Dièsen. Es ist indess nicht die 
Meinung des Aristoxenus, dass man 4 oder 6 oder 8 Vierteltöne hinter
        

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