Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der alten und mittelalterlichen Musik
Person:
Westphal, Rudolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38453/214/
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Drittes Kapitel. Monodik und Instrumentalmusik 
der Quinte abwärts bis zur Moll-Secunde und aufwärts bis zur Moll- 
Octave, ohne diesen Umfang von der Secunde bis zur Octave zu über¬ 
schreiten. Geschah das letztere und nahm man auch die None und die 
Decime hinzu, so geschah hierdurch dem Ethos der dorischen Tonart 
Abbruch. 
Es ist nun zu denken, dass man dem (plagalischen) Phrygischen, 
welches gleich dem Dorischen eine Quinten-Tonart ist, für gewöhnlich 
denselben Tonumfang wie dem Dorischen gab, dass man also von der 
die Melodie schliessenden Dur-Quinte abwärts bis zur Dur-Secunde und 
aufwärts bis zur Dur-Octave ging. Dies vorausgesetzt, genügte keine 
der Terpandrischen Scalen. Auf dem octachordischen Diezeugmenon- 
Systeme konnte man eine phrygische Melodie gar nicht ausführen (denn 
hier würde der zweithöchste l'on der phry gische Schlusston sein), 
Mose 
Diezeugm. 
a b c i d i e f g a 
1 ! 2 I 3 _4 _5 6 
e f g ! a i h c d e 
Schluss 
man musste noth wendig das Synemmenon-System wählen, womit die 
Angabe des Aristoxenus bei Plut. 19 (vgl. S. 15 i) übereinkommt, aber 
man konnte hier nur drei Töne unter den phrygischen Schlusston, 
also bis zur Dur-Terz, hinabsteigen; wollte man die Dur-Secunde 
benutzen, so musste man nothwendig die Terpandrische Synemmenon- 
Scala durch das Tetrachord hypaton erweitern. In dieser Weise werden 
wir es wohl zu verstehen haben, wenn Plutarch in der angeführten 
Stelle sagt, dass man sich des Hypaton -Tetrachordes für die Doristi 
enthalten habe, während man dasselbe für die anderen Tonarten (also 
die Phrygisti) zuliess. 
Hypaton ’ Meson Mesc Synemm. 
(«) 
r 
9 
a 
b 
C ; 
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2 
3 
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9 
(ff) 
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d 
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9 ! 
a i b c 
d 
Schluss 
Für die Melodie konnte man aber bei der Anwendung dieses 
Systèmes nicht tiefer als bis zurParhypate hypaton, d. i. derTonica des 
phrygischen Dur, hinabgehen; hätte man auch noch die Hypate hypaton 
für die Melodie hinzuziehen wollen, so hätte damit die Tonart aufge¬ 
hört, eine phrygische zu sein.
        

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