Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der alten und mittelalterlichen Musik
Person:
Westphal, Rudolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38453/173/
Die zweite musische Katastasis. 
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aulodische Nomos, das weltliche Lied und die auletische Instrumental¬ 
musiki Die am frühesten auf bestimmte Normen zurückgeführte Kunst¬ 
form ist der kitharodische Nomos Terpanders, Terpander gilt mithin 
den griechischen Musikern als der Begründer jener ersten archaischen 
Musikepoche, und das nannte man die uçoni] xaTucrtaaig tcov ixbqI xr\v [xovcri- 
xyv, die erste Feststellung der sich auf die Musik beziehenden Kunst¬ 
normen, die auch für die Musik der späteren Zeit, soviel Neues auch 
hinzukommen mochte, fortwährend die Grundlage bildeten, etwa im 
gleicher Weise wie die Architectur auch in der èigentlichen Blüthe- 
zeit der Kunst die in der archaischen Periode gefundenen Normen der 
Stilarten mit hingebender Treue bewahrt hat. 
Auf die archaische Periode der Musik folgt die klassische Zeit. 
Den Anfang derselben bezeichnen die Musiker als ôevxéça xaxcurxacng xtov 
neçl tijv (xovuutriv, als die zweite musische Katastasis. Wir müssen zu¬ 
nächst kürzlich die in dem obigen Berichte genannten Meister derselben 
ins Auge fassen. Sie sondern sich in zwei Gruppen: einmal Thaletas, 
Xenodamus und Xenokritus als Componisten chorischer Musik, sodann 
Polymnastus und Sakadas als die Meister einer neuen Stilart der Mo- 
nodik und Instrumentalmusik. Schon hierin zeigt sich ein bemerkens- 
werther Unterschied zwischen der archaischen und der mit der zweiten 
Katastasis beginnenden nèueren Zeit. Denn in der archaischen Periode 
ist blos die monodische und instrumentale Musik repräsentirt, jene im 
kitharodischen und aulodischen Nomos und im Liede der Jambo- 
graphen, diese in der Auletik der aus dem Orient einwandernden 
Schule des Olympus. 
In der zweiten Katastasis aber tritt zu dem monodischen und in¬ 
strumentalen Zweige der Musik, der zunächst durch die Meister Poly¬ 
mnastus und Sakadas repräsentirt ist, noch ein zweiter Kunstzweig, 
nämlich die orchestische oder chorische Musik hinzu, die bis dahin 
nur der Sphäre des Volkslebens und Volksgesanges angehört hatte, 
ohne durch eigentliche Künstler gepflegt und auf bestimmte Normen 
fixirt zu sein, von jetzt an aber auch in den eigentlichen Kanon 
der Kunst aufgenommen wurde und eine der Monodik und Instru¬ 
mentalmusik coordinate Stellung erhielt. Es ist dies spätere Her¬ 
vortreten der chorischen Musik gerade so anzusehen, wie die attische 
Tragödie, die, ehe sie durch Phrÿnichus und seine Zeitgenossen zu 
einer den übrigen Zweigen der musischen Kunst gleichberechtigten Gat¬ 
tung hervorgehoben wurde, lediglich nur als eine von den eigentlichen 
Künstlern unbeachtete Art des Volksgesanges bestanden hatte. Die 
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