Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der alten und mittelalterlichen Musik
Person:
Westphal, Rudolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38453/145/
:i. Archilochus. Begleitung. 
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xwMtvtxoï, die sicherlich nicht ohne weitere Parallelen dagestanden 
haben wird, geführt worden sei? 
IV. Die Instrumentalbegleitung. Der Plutarchische Bericht 
führt, nachdem er die neue Rhythmopöie, die Entasis nicht homogener 
Rhythmen und die Parakataloge als Erfindungen des Archilochus auf¬ 
gezählt, als vierte Archilocheische Erfindung folgende hinzu: „Die hierzu 
gehörende Krusis d. i. Instrumentalbegleitung“. Das Wort „hierzu ge¬ 
hörende“ (jteqi tccvTct) ist nicht bloss auf die Parakataloge zu beziehen, 
sondern auch die an erster und zweiter Stelle genannten rhythmischen 
Compositionsarten. In der weiter unten folgende Ausführung dieser 
vierten Archilocheischen Erfindung heisst es bei Plutarch: „Man glaubt 
endlich auch, dass zuerst Archilochus die von den Tönen des Gesanges 
verschiedene Instrumentalbegleitung erfunden habe, während die Alten 
die Töne des Gesanges überall mit unisonen Instrumentaltönen begleitet 
hätten.“ Das ist jedenfalls der Sinn der Plutarchischen Worte.- Wir 
haben hiermit die entschiedene Ueberlieferung, dass zwar bei den 
„Alten“ die Töne des Gesanges und die gleichzeitigen Töne des be¬ 
gleitenden Instrumentes unison waren, dass dagegen bereits Archilochus 
auf der höheren Entwickelungsstufe der Kunst gestanden, in welcher 
die Musik zwar nicht innerhalb des Gesanges, aber doch durch den 
Verein von Gesang und Begleitung zu einer mehrstimmigen geworden 
ist. Wir haben zwar gesehen, dass der Plutarchische Bericht dem Archi¬ 
lochus einerseits bereits Manches beilegt, was ihm nicht angehört (kreti¬ 
schen Rhythmus und epibatischen Päon), und andererseits ihn als ersten 
Erfinder von Kunstformen gelten lässt, welche bereits vor ihm vor¬ 
handen waren (elegisches Metrum), und so müssen wir denn wohl auch 
diese Notiz über Archilochus’ Art der Begleitung als einen nicht ohne 
weiteres völlig authentischen Bericht ansehen. Wir haben hier zwei 
Fragen aufzuwerfen. Einmal: verhält es sich mit dieser Krusis des Archi¬ 
lochus wie mit seinem angeblichen Kretischen und Epibatischen Rhyth¬ 
mus? d. h. gehört die mehrstimmige Musik gleich diesen fünftheiligen 
Rhythmen erst einer späteren Zeit an? Diese Frage zu bejahen, liegt durch¬ 
aus kein Grund vor. Der fünftheilige Rhythmus wird durch ein sehr 
gewichtiges Zeugniss, nämlich durch Glaukus’ alte Schrift dem Archi¬ 
lochus abgesprochen, aber der Mehrstimmigkeit Archilocheischer Musik 
steht in keiner Weise ein Zeugniss entgegen. Vielmehr deutet die uns 
auf das entschiedenste bezeugte Mehrstimmigkeit der Musik in dem 
altertliümlichen Tropos spondaikus darauf hin, dass die Ueberwindung 
der einstimmigen Musik schon in früher Zeit stattgefunden haben muss.
        

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