Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der alten und mittelalterlichen Musik
Person:
Westphal, Rudolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38453/113/
2. Ivlonas und der Tropos spondeiazon. 
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dissonirende klangen ; — im Falle also die griechische Musik keine unisone 
gewesen sei, wären zu Accordverbindnngen nur Octaven, Quarten und 
Quinten, nicht aber die übrigen Intervalle zugelassen worden. Dies 
ist ein bis zum Ueberdruss wiederholtes, völlig grund- und bodenloses 
Raisonnement. Zunächst ist die Uebersetzung der Wörter Symphonie 
und Diaphonie durch Consonanz und Dissonanz eine gründlich ver¬ 
fehlte. Ein symphonischer Accord ist nach der Definition der griechi¬ 
schen Techniker ein solcher, in welchem die beiden Töne eine einheit¬ 
liche Verbindung, gleichsam einen einzigen Ton bilden; in dem dia- 
phonischen Accorde treten die beiden Töne bestimmt und scharf aus 
einander. In diesem Sinne müssen auch wir Modernen z. B. die Terz, 
in welcher die beiden Töne scharf her vortreten, in deutlich zu erken¬ 
nender Selbstständigkeit und ausgeprägter Persönlichkeit, zu der Klasse 
der Diaphonien rechnen, die Quinte dagegen mit ihrer unbestimmten und 
wenig ausgeprägten Persönlichkeit zu den Symphonien. Ebenso werden 
wir jene Bestimmtheit auch in der Sexte und Septime hören und die¬ 
selben mit der Terz in eine gemeinsame Kategorie stellen. Nur das Eine 
könnte auffallend erscheinen, dass das antike Ohr nicht bloss in der 
Quinte, sondern auch in der Quarte eine einheitliche „Mischung“ der 
beiden Töne findet, denn sie erscheint uns nicht minder individuell und 
bestimmt als Terz und Septime. Indess hat sich bereits S. 23 ff. ge¬ 
zeigt, dass die in jeder Octavengattung sich ergebende Quarte von der 
thetischen Hypate meson bis zur thetischen Mese nichts Anderes ist 
als die Unterquarte der Tonica oder thetischen Mese, und so müssen 
wir annehmen, dass die Griechen überhaupt bei ihrer Eintheilung in 
symphonische und diaphonische Intervalle in der ersten dieser beiden 
Kategorien zunächst von der Oberquinte und Unterquarte der Tonica 
ausgehen. Mithin ist es ganz gerechtfertigt, wenn die Alten auch 
in der Verbindung der Unterquarte mit der Tonica dieselbe einheitliche 
Mischung der Töne finden wie in der Oberquinte. 
Soviel über den Begriff' der Symphonien und Diaphonien. Der 
Schluss, den man aus der bisherigen unrichtigen Auffassung dieser Be¬ 
griffe ziehen zu müssen glaubten, dass die Alten zur Begleitung einer Me¬ 
lodie nur Quarten und Quinten zugelassen hätten, zeigt sich aber nun noch 
mehr durch die vorliegenden Daten über die Begleitung des aulodischen 
spondeion Melos in seiner vollen Unrichtigkeit. Es ist uns dort näm¬ 
lich überliefert worden, dass die Alten nicht bloss den symphonischen 
Quintenaccord, wie a e oder /V, und den symphonischen Quartenaccord, 
wie e à, zugelassen haben, sondern auch den diaphonischen Sexten-
        

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