Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das natürliche Lautsystem der menschlichen Sprache
Person:
Thausing, Moritz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38326/78/
Vocal und Nasal. 
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diesen Stimmton mit jenem zusammen, welcher die übrigen soge¬ 
nannten Liquiden, d. h. die Resonanten m, n begleitet, denn diesen 
unterscheidet sein Ausströmen durch die geöffneten Choanen in den 
Nasenraum, es ist eben der freilich auch farblose Stimmton der 
Nasale, der Brustton aber ist der unarticulierte Stimmton der Vocale 
und der übrigen Laute. 
Dass die Vocale der Zungenreihe bisher ihre gebührende Stel¬ 
lung im Systeme nicht finden konnten, erklärt sich nebst ihrem 
spröderen Charakter zumeist aus der vorzüglich consonantischen 
Verwerthung derselben in den classischen Sprachen. Vocalisch 
werden sie jedoch in den indischen, slavischen, germanischen 
Sprachformen häufig genug gebraucht. So werden in den deutschen 
Endsylben -er, -el und anderwärts bloss r und l articuliert, das 
e ist stumm; aus dem Slavischen statt vieler Beispiele: krk, vlk; 
Srb, Krv. 
Dass diese Zungenlaute im Verhältnisse zu denVocalen der bei¬ 
den anderen Reihen eine geringere Verbindungsfähigkeit haben, 
darf uns nicht beirren, denn Mannichfaltigkeit ist die Haupteigen¬ 
schaft aller natürlichen Erscheinungen. Wenn übrigens Kempelen 
(Mechanismus der menschlichen Sprache. Wien 1791. S. 296) die 
Ausschliessung des l und r aus der Vocalgruppe damit rechtfertigen 
will, dass dieselben nicht wie andere Vocale im Anlaute vor einem 
Consonanten stehen können, so abstrahiert er diesen Grundsatz 
eben nur von nationellen Eigenlhümlichkeilen gewisser Sprachen, 
und zumeist der romanischen. Deutlicher noch sehen wir dasselbe 
Verhältniss an dem Reibelaute der Zungenreihe, dessen Aussprache 
zu Anfang des Wortes, wenn darauf ein anderer Consonant folgt, 
den Romanen besondere Schwierigkeit macht; ich meine das esse 
impura der Italiener. Schon in dem späteren Latein der ersten 
Jahrhunderte nach Christo wurde diesem s gern ein erleichterndes i 
vorgesetzt, z. B. istavilis statt stabilis; die Westromanen, Spanier 
und Franzosen, thaten diess regelmässig mittelst eines e, nach wel¬ 
chem dann in der neueren Aussprache der Franzosen das s gern 
wegfällt. Die Deutschen nun sprechen dieses s zwar leichter, und 
es ist auch im Hannoverschen und in Braunschweig Sitte es zu spre¬ 
chen, aber im Hochdeutschen hat sich doch der Erweichungsprocess 
des anlautenden s impura zu sch geltend gemacht, welcher aber 
bloss in den früher ausgebildeten Fällen auf die Schrift Einfluss
        

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