Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das natürliche Lautsystem der menschlichen Sprache
Person:
Thausing, Moritz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38326/73/
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Vocal und Nasal. 
der drei Reihen. Die Halbnasale oder Resonanlen grenzen so nach 
einer Seite hin an die weichen Schlusslaute und nach der anderen 
nothwendig an den farblosen Nasenlaut oder Nasal. In diesen mün¬ 
den alle drei Lautreihen, wie alle drei von dem Naturlaute a aus¬ 
gehen. Wenden wir das treffende Gleichniss des Farbenschemas 
hier wieder an, so entspricht der Nasal dem Schwarz, in welches 
sich die drei aus dem Weiss entspringenden Grundfarben, nachdem 
sie alle Stufen der Verdunkelung durchlaufen haben , wieder unter¬ 
schiedslos verlieren. 
Der Nasal als Nasenslimmton gefasst, tritt zwar in Verbindung 
mit allen Resonanlen auf, so vernehmlich in der tonlosen deutschen 
Endsilbe -en, englisch -on oder in der französischen -isme (z. B. 
patriotisme), in einem eigenthümlichen Uebergangsverhältnisse steht 
er aber in einigen Sprachen insbesondere zu dem Resonanten der 
Kehlreihe y. Die Lage des zweiten Articulationsgebietes erklärt diess 
Verhältniss vollkommen, zumal wenn diese Articulationsslelle weit 
nach rückwärts verlegt wird, wozu die französische Sprache z. B. 
eine besondere Neigung hat. Eine ähnliche Tendenz bewährte die¬ 
selbe darin, dass sie die Resonanten der Lippen- und Zungenreihe, 
wo dieselben nicht durch Verdoppelung geschützt waren, in den der 
Kehlreihe verwandelte. Dieser wieder wird heutzutage so nachläs¬ 
sig articuliert, dass es meist zu keinem vollständigen Verschlüsse 
kömmt, und der Resonant bloss als nasaler Ausklang des vorher¬ 
gehenden Vocals erscheint. Die Verschleifung mit dem Vocal wird 
eben dadurch möglich, dass unser y bereits mehr oder minder ge¬ 
gen den Nasal ausgewichen ist. Der französische Nasenton ist also 
bereits eine Mittelstufe zwischen dem y und dem Nasal. Dasselbe 
ist im Portugiesischen der Fall, obwohl dort dieser Laut, den sie 
mit auslautendem m oder dem til (spanisch tilde = griechischer cir¬ 
cumflex) meist über dem vorhergehenden Vocale bezeichnen, noch 
mehr consonantische Natur bewahrt hat. Gegen das Zungen-n hat 
diese Sprache auch eine grosse Abneigung, daher: bem (bonus), 
irmäo (germanus), som (sonus), näo (non), oder aria (arena), lua 
(luna), mit völliger Weglassung des Resonanten und Nasals. 
Derselbe Zwischenlaut von Resonant und Nasal im innigen An¬ 
schluss an einen hellen Vocal findet sich im Rhinesmus der polni¬ 
schen Laute ç und q, die wie in, on in den französischen Worten 
fin, bon articuliert werden. »Diese Laute entstehen aus der Ver¬ 
schmelzung eines Vocals mit darauf folgendem m oder n dann, wenn
        

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