Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das natürliche Lautsystem der menschlichen Sprache
Person:
Thausing, Moritz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38326/61/
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Zungenlaute. 
selbe durch das von ihnen erzeugte Reibungsgeräusch überboten 
wird. Diese Vocale stehen im System auf der ersten und zweiten 
Stufe der Verdumpfungsreihen, und wir finden sie auch in der drit¬ 
ten Reihe, indem wir vom Naturlaut a ausgehen. 
Bilden wir a und lassen wir während dessen allmählich die 
Zungenspitze gegen den Oberkörper — im Deutschen an die Ober¬ 
zähne oder deren Alveolen — aufsteigen, so wird der Naturlaut 
successive in ein l verdumpft. Je schmaler dabei der Zungenkörper 
ist, desto weniger wird der ausströmende Ton behindert und ver¬ 
dumpft, und desto heller ertönt der eigenthümliche Laut, der in 
seiner Milde ganz gut mit dem o und e verglichen werden kann. 
Diese Weichheit verdankt er so wie jene dem Umstande, dass das 
Bewegungsorgan — vom Oberkörper kann hier nicht die Rede sein 
— noch ganz unmerklich mitvibriert. Zu stärkerer Afficierung ist 
keine Veranlassung, da die tönende Luft ohne besondere Hemmung 
an beiden Seiten der Zunge ausslrömen kann. Durch die eigen- 
thümliche Spaltung des tönenden Luftstroms unterscheidet sich das 
l wesentlich von seinen Parallelstufen in den beiden anderen Reihen 
wie von allen andern Lauten ; es erhält dadurch grossentheils sei¬ 
nen Charakter, so weit er nicht dem Arliculationsgebiete eigen ist. 
Wie viel von diesem abhängt, beweist — abgesehen von der Un¬ 
möglichkeit, auf gleiche Weise anderwärts ein reines l zu bilden — 
der Umstand, dass man auch durch Bildung einer Miltelöffnung zwi¬ 
schen dem rundlich gekrümmten Zungenrande und der Kante der 
Oberzähne ein wenn auch unvollkommenes l arliculieren kann, von 
dem wir jedoch absehen können, da es meines Wissens nirgends in 
Gebrauch ist. Am hellsten und lautesten tönt das / natürlich bei der 
geringsten Hemmung und bei der grössten Freiheit des ausslrömen- 
den Tones, also dann wenn die Zunge durch ihre schmälste Form zu 
beiden Seiten den meisten Raum lässt. Dem ähnlich wird auch un¬ 
ser helles deutsches l gebildet. Das l der Slaven aber ist meist von 
grösserer Dumpfheit, deren höchsten Grad es im polnischen 1 er¬ 
reicht. Beachten wir die Bildung desselben, so finden wir, dass sich 
die Zunge nicht wie beim deutschen Laute rundlich zugespitzt an die 
obere Wölbung legt, sondern mit ausgebreitetem Zungenrande, so 
dass sie zu beiden Seiten die Eckzähne berührt, wobei zugleich eine 
Ausbauchung ihrer Oberfläche erfolgt. Durch diese Ausbreitung der 
Zunge wird die Tonhemmung und Resonanz stärker, die Seiten¬ 
öffnungen enger, daher der Laut dumpfer. Eine solche Articulierung
        

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