Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das natürliche Lautsystem der menschlichen Sprache
Person:
Thausing, Moritz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38326/30/
a) Vocale. 
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Beim Uebergange in i steigt Zungenwurzel und Zungenbein zur 
Bildung des Gaumencanals empor, daher zugleich der Kehlkopf sich 
hebt. Geht man von a in u Über, so muss die Zungenwurzel zur 
Vermeidung jeder Verdumpfung und Hemmung des Tones und zur 
Bildung der weiten Trichteröffnung zurücktreten , wobei dann auch 
der Kehlkopf nach unten, das Zungenbein nach vorn ausweichen. 
Doch ist die allmähliche Vollziehung dieser beiderseitigen Ueber- 
gänge nicht möglich, ohne dass wir durch die dazwischen liegenden 
Laute e und o hindurchgehen, und schon diess giebt uns einen Fin¬ 
gerzeig , wie wir vom Nalurlaut a zu allen anderen Lauten gelangen 
können. 
Es ist ein sprechender Beweis für die zutreffende Richtigkeit 
von Brücke’s Beobachtungen , dass wir dieselben fast durchweg für 
unsere gegentheilige Auffassung ins Feld führen können, ohne ihnen 
durch die alterierte Deutung im geringsten Gewalt anzuthun. Wie 
in den Einzelnheiten dürfte auch im Grossen und Ganzen das Ver- 
hältniss des musikalischen Tones zur vocalischen Klangfarbe und 
das gleichzeitige Verhalten des Kehlkopfs bei Articulierung der Vo¬ 
cale, die Erscheinung der gemischten Vocale ü und ö, das praktische 
Experiment, dessen Erwähnung geschah — alles das dürfte unsere 
Theorie der Verengerung besser gewährleisten, als Brücke’s Theorie 
der Verlängerung. Die Krone des Beweises aber sei das natürliche 
Lautsystem selbst, mit ihm stehe und falle seine Vocaltheorie. 
Zuvor jedoch müssen wir noch eine andere Partie aus Brücke’s 
verdienstlichen Schriften einer näheren Betrachtung unterziehen, 
nämlich seine Theorie Uber : 
erweitert, und indem der Kehlkopf höher steht als beim u und tiefer als beim 
i. Beim a hat das Zungenbein dieselbe Stellung wie in der Ruhe, aber der 
Kehlkopf ist ihm stärker genähert und dadurch etwas gehoben ; geht man von 
a in i über, so behalten Kehlkopf und Zungenbein ihre gegenseitige Lage, aber 
steigen mit einander in die Höhe; geht man von o in u über, so entfernt sich 
der Kehlkopf so weit er kann vom Zungenbeine, um sich nach abwärts zu sen¬ 
ken. Das Zungenbein bewegt sich dabei etwas nach vorn, wahrscheinlich we¬ 
gen der Lagenveränderung, welche die Zungenwurzel durch das Herabtreten 
des Kehlkopfs erleidet. 
Der Mundcanal ist beim a in seiner ganzen Länge offen, 
weder in derMitte verengt wie beim noch amEnde verengt 
wie beim u. Beides würde die Hervorbringung des reinen hel¬ 
len a unmöglich machen; übrigens aber kann das a bei sehr 
verschiedenerWeitedesMundcanals hervorgebracht werden.«
        

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