Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das natürliche Lautsystem der menschlichen Sprache
Person:
Thausing, Moritz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38326/29/
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Physiologie der Laute. 
Diese Verengerung bedingt die Hebung des Kehlkopfs und die 
stärkere Resonanz der Kopfknochen, da die behinderten Schallwel¬ 
len gegen oben anprallen. Bei der Lippenstellung zu u ist natürlich 
kein reines i möglich, oder richtiger gesprochen, das vollständig 
articulierte i kann nicht rein gehört werden, weil der dahin modi- 
ficierte Ton eine abermalige Verdumpfung durch die Lippenenge 
erhält. Ebenso kann bei der rückwärtigen 7-Stellung von Gaumen 
und Zungenwurzel kein reines u articuliert werden, weil der an den 
Lippen verdumpfte Ton bereits die Farbe des i an sich trägt. * ln 
beiden Fällen hören wir ein ü. Ein tiefer Stand des Kehlkopfs be¬ 
hindert durch dessen Zusammenhang mit der Zungenwurzel die nö- 
thige Verengerung des rückwärtigen Mundcanals, daher der dumpfe 
Klang des i in den tiefen Tönen, d. h. bei tiefstehendem Kehlkopf 
— das unvollkommen gebildete i Brücke’s. Bei möglichst deutlicher 
Aussprache des t erweitert sich auch die Mundspalte, die Lippen 
und Zähne ziehen sich nämlich zurück, um jede Verdumpfung in 
dieser Gegend unmöglich zu machen, gerade so wie sich bei u die 
Zungenwurzel senkt und aus dem Arliculationsbereiche des i tritt, 
um auch das geringste Mittönen desselben zu verhindern. Ueber- 
haupt beruht die Vocalfärbung auf dem verkehrten Verhältnisse 
zwischen der Weite der vorderen und jener der hinteren Mundöff¬ 
nung , während deren Vorschreiten im geraden Verhältnisse bloss 
zur Verstärkung des articulierten Stimmlones dient. 
A *) 
entsteht bei natürlicher Lage aller Theile im Mundraume durch gleich- 
mässige ungehemmte Resonanz, wie in einem offenen Rohre. 
durch Verengerung des Mundcanals, welche in diesem Falle weiter nach hin¬ 
ten liegt, noch ein » hervorbringen, dasselbe hat aber immer einen dumpfen 
Klang, der dem eigentlichen i durchaus fremd ist. Man kann dieses i das un¬ 
vollkommen gebildete nennen, wie ich das vorher beschriebene dumpfe « als 
unvollkommen gebildet bezeichnet habe; denn bei ihm fehlt die Bedingung, 
welcher das gewöhnliche « die helle Resonanz verdankt. Es ist wegen seines 
dumpfen Klanges auch schon früher als das dumpfe oder tiefe » bezeichnet 
worden. Man findet es häufig bei Taubstummen, deren Sprache es dann in 
hohem Grade entstellt; es rührt davon her, dass man sie beim ersten Unter¬ 
richt nicht angewiesen hat, den Kehlkopf bei der Hervorbringung des i kräftig 
zu heben.« 
#) »Beim a ist das Ansatzrohr kürzer als beim u und länger als beim i, in¬ 
dem die Lippen weder vorgeschoben sind, noch die Mundspalte in die Quere
        

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