Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das natürliche Lautsystem der menschlichen Sprache
Person:
Thausing, Moritz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38326/20/
Geräusch und Laut. 
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Zu diesem Zwecke aber genügt es nicht, bloss die Mittel und 
Bedingungen zu beachten, wodurch die verschiedenen Laute ent¬ 
stehen, man muss auch die Hauptsache, die erzeugten Laute selbst, 
wägen und ins Auge fassen, von ihrer Erscheinung in der Gegen¬ 
wart bis auf die beglaubigte Kunde, die wir von ihrer Vergangen¬ 
heit haben. Der Laut ist zwar nichts Bestehendes, Fertiges, so 
wenig wie die Farbe, der Ton etc., sondern wie diese ein stets 
Werdendes, dessen Erzeugung von den Spracbmitteln innig ab¬ 
hängt ; und eine tiefe Wahrheit finde ich darin, wenn Brücke die 
Schriftzeichen nur mit Stellungen der Mundtheile in Verbindung 
bringt, nicht mit activen Bewegungen. »Die abendländische Schreib¬ 
weise «, sagt er weiter, » zeigt durch die Schriftzeichen die Stellun¬ 
gen an, in welche sich die Organe nach einander und zwar jedes¬ 
mal auf dem kürzesten Wege begeben«. (Nachschrift zu Prof. Ku- 
delka’s Abhandlung. Sitzungsberichte der Akad. der Wiss., math.- 
naturw. Klasse. 28. 1. S. 85 ff.) Wenn Brücke aber selbst gesteht, 
» der Eindruck, den ein Laut auf das Ohr macht, spiele in seinem 
System nicht die geringste Rolle und trete nirgendswo als Einthei- 
lungsgrund auf«, so ist damit einestheils zuviel behauptet, jeden¬ 
falls aber auch in der Theorie zuweit nach einer Seite ausgewichen. 
Warum absichtlich die gegebene Hauptsache, die erzeugten Laute, 
bei Eintheilung derselben unbeachtet lassen wollen, da wir doch 
annehmen müssen, dass ähnliche Bedingungen ähnliche Wirkungen 
hervorbringen ? Wir werden uns davon überzeugen, wenn wir 
sehen, wie Physiologie, Gehör und Tradition zu denselben Resulta¬ 
ten führen.
        

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