Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das natürliche Lautsystem der menschlichen Sprache
Person:
Thausing, Moritz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38326/148/
Zur Blindenschrift. 
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nen mir nicht im richtigen Verhältnisse zu dessen Brauchbarkeit 
und Nutzen zu stehen. 
Ein weit besseres Verhältniss dürfte sich bei der Benützung 
unserer Notenschrift herausstellen. Der Blinde, welcher jeden Na¬ 
delstich auf gewöhnlichem Papiere fühlt, wird leicht die scharfen 
Eindrücke auf einem eigens dazu bereiteten starken und elastischen 
Notenpapiere mit erhabenen Linien abtaslen können. Und diese 
Eindrücke kann er eben so leicht selbst machen. Er mag diess mit¬ 
telst eines einfachen MetallgrifTels thun, dessen Ende die Form des 
länglichen Notenkopfes in scharfen Umrissen hat. Je nachdem er 
nun diese kleine Endfläche des Griffels wagrecht, senkrecht oder 
schräge auf und zwischen die Linien presst, wird er ohne Rahmen 
und Schablone auf der nachgiebigen Papierfläche ziemlich rasch 
schreiben und das Geschriebene eben so bequem lesen können. 
Läuft beim Schreiben die linke Hand tastend hinter der rechten her, 
so überzeugt sich der Schreibende sogleich von der Richtigkeit sei¬ 
nes Zeichens, wie wir diess mittelst des Auges zu thun pflegen. Ist 
diese methodische Selbstcontrole für Anfänger besonders nothwen- 
dig, so giebt sie auch späterhin eine sehr erwünschte Sicherheit, da 
bekanntlich das Alter auch nicht vor Schreibfehlern schützt. Um 
einen solchen sogleich wieder tilgen zu können, mag das andere 
Griffelende dieselbe Gestalt haben, wie bei dem Stilus der alten 
Römer, mit dem sie Notizen in ihre Wachstafeln gruben und sodann 
dieselben wieder glätteten, d. h. der Griffel wird nach oben breiter 
und dünner, und trägt eine nicht zu scharfe Kante, die etwa so lang, 
wie die Notenzeile breit ist. Mil dieser Kante können auf dem wei¬ 
chen und starken Papiere leicht die Unebenheiten einer verdorbenen 
Stelle sammt den Linien getilgt werden, sei es durch Glättung, sei 
es durch mehrmalige kreuzweise Einsetzung der Griffelkante in die 
Zeile. Ueberdiess kann das senkrechte Eindrücken derselben in die 
Notenzeile die Trennung der Worte und Sätze andeuten, und ge¬ 
winnt diess Unterscheidungszeichen durch Verdoppelung oder etwas 
abweichende Stellung leicht an Mannichfaltigkeit. Sollte es nun 
vortheilhafter sein, die Notenköpfe mittelst eines scharfen Griffels 
durch das Papier zu pressen, und denken wir uns dieselben z. B. in 
der Richtung von Rechts nach Links durchgeschlagen, um dann wie 
Baille’s Schrift auf der anderen Seite von Links nach Rechts gelesen 
zu werden, so zeigt sich der Vortheil der Vereinfachung nicht min-
        

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