Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das natürliche Lautsystem der menschlichen Sprache
Person:
Thausing, Moritz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38326/10/
EINLEITUNG. 
Es ist keine erfreuliche Erscheinung, dass unsere Sprachforschung 
so gern am todlen Symbole dèr Sprache, an Schrift und Buchsta¬ 
ben haften geblieben ist und nicht lieber vordrang bis in den Bereich 
der lebendigen Klänge, an denen das Wesen der Sprachlaute in 
rastlosem Werden und Verwehen zur Erscheinung kömmt. Hier 
wird der aufblühenden Linguistik die Hauptquelle der Erkenntniss 
fliessen, von da aus erst wird der Einblick in die historischen Sprach- 
processe möglich und lohnend sein. Wir müssen das ewig flüssige, 
flüchtige Sein der Gegenwart begreifen und erkennen, wenn uns 
das Gewordene und Längslvergangene auf diesem Gebiete klar wer¬ 
den soll. Man weiss es, wie sehr diese erste Bedingung wahrer 
Sprachkenntniss von manchem sonst hochverdienten Forscher ver¬ 
nachlässigt wurde, und schon hat man diesen Mangel erkannt. 
Wir betrachten die Schrift nur mehr als starre und unvollkom¬ 
mene Mumie der beseelten Sprache, aber als eine Mumie, zu deren 
Belebung wir alle Zaubermittel besitzen, der wir nicht bloss die 
Seele wieder einhauchen, sondern auch den vertrockneten Körper 
in aller seiner Schönheit und Zweckmässigkeit stets erneuern kön¬ 
nen. Die Mittel dazu besitzen wir und haben sie sogar in täglichem 
Gebrauche. Um sie aber erfolgreich anzuwenden, wird es Noth 
thun, dass dieser Gebrauch kein unbewusster sei oder vielmehr 
bleibe, und es ist die Aufgabe der Wissenschaft, die Wesenheit iind 
Wechselbeziehung der Sprachelemente zu erhärten. Dazu wurden 
allerdings in neuerer Zeit die erfreulichsten Anfänge gemacht, aber 
nicht von Seiten der Linguistik, der doch — so sollte man vermu- 
then — die BeischafTung des ersten Grundsteines zum Aufbaue ihres 
Tempels am Herzen liegen musste, und ganz ungehindert durch 
Thausing, Lautsystem. 4
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.