Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die physiologischen Fehler und die Umgestaltung der Klaviertechnik
Person:
Steinhausen, F. A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38311/84/
VERKENNUNG DER PHYSIOLOGISCHEN ÜBUNG. 
nuellen Technik, das muß individuell ausgeprobt werden, 
dafür lassen sich allgemeine Regeln nicht aufstellen. 
Im folgenden wird vielfach von aktiven und passiven Be- 42. 
wegungen die Rede sein. Dazu einige Erläuterungen. Aktivität 
ist tätiger, Passivität erschlaffter, ruhender Zustand des Mus¬ 
kels. Aktive Bewegungen werden ausschließlich durch momen¬ 
tane oder dauernde Muskelzusammenziehung hervorgebracht 
(68), passive Bewegungen dagegen durch alle sonstigen Kräfte, 
z. B. durch die Schwere, die Elastizität, aber auch durch irgend¬ 
welche von außen angreifenden Kräfte, auch durch die Muskel¬ 
kraft eines andern. In diesem Sinn übt der untersuchende 
Arzt mit dem Kranken passive Bewegungen, wobei der Kranke 
bekanntlich recht schwer lernt, alle aktive Tätigkeit auszu¬ 
schalten und die Glieder zu entspannen. Die Schwierigkeit liegt 
darin, daß das Gefühl der Passivität, der Erschlaffung, den mei¬ 
sten Menschen unbekannt und ungewohnt ist und erst erlernt 
und geübt werden muß, weil immerfort die Neigung zu aktivem 
und willkürlichem Eingreifen und Mitwirken besteht, die schwer 
zu verlernen ist. Um ein Verlernen handelt es sich in der Tat 
auch hier (38). Auch spielt dabei die Aufmerksamkeit eine 
große Rolle. Ist sie abgelenkt, so tritt der passive oder Ruhe¬ 
zustand der Muskulatur von selber ein. Schwierigkeiten er¬ 
geben sich erst dann, wenn die Aufmerksamkeit, wie es doch 
beim Einüben technischer Bewegungen zunächst unumgänglich 
ist, dem Üben zugewendet sein muß. Das Verlernen des stören¬ 
den und dann ja unnötig kontrollierenden Aufpassens ist im 
eigentlichen Sinne ein seelischer Vorgang. Die möglichste Er¬ 
schlaffung bis zur Passivität spielt gerade für die Klaviertechnik 
eine bedeutsame Rolle (77). 
* 11 *
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.