Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die physiologischen Fehler und die Umgestaltung der Klaviertechnik
Person:
Steinhausen, F. A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38311/163/
SECHSTER ABSCHNITT. 
Mechanik, die zusammengesetzten und durch Energie und Ge¬ 
schwindigkeit unendlich variierbaren Bewegungen der einzelnen 
Glieder der Extremität zu bestimmen. Einfache Formeln für 
die Abstufung der Anschlagskraft zu geben ist unmöglich, wir 
sind auf allgemeine physiologische Betrachtungen angewiesen. 
Der Spieler muß, um sich die Abstufungen seines schwingenden 
Anschlags klarzumachen, vom Ruhestand als einem für die 
Beobachtung geeigneteren Objekt ausgehen, denn nur in diesem 
sind für die Untersuchung wie auch für das Gefühl die Unter¬ 
schiede darstellbar, wogegen die Vorgänge in der Muskulatur 
während des Schwunges der genaueren Beobachtung sich ent¬ 
ziehen. Bezüglich der Auswahl der anwendbaren Anschlags¬ 
stärkegrade kommen alle Gradstufen von der Null- bis zur 
Spielbelastung in Betracht. Nur innerhalb der durch diese 
beiden Belastungen angegebenen Grenzen liegen die beim 
schwingenden Anschlag anwendbaren Grade der Muskelkon¬ 
traktion; über die Spielbelastung hinaus zur Maximalbelastung 
hin darf Muskelaktion nur momentan eintreten. Der Weg zur 
Maximalbelastung würde durch die aktive Muskelarbeit un¬ 
weigerlich zur falschen Technik zurückführen. Alle stärkeren 
Grade des Anschlags werden durch Zunahme der Geschwindig¬ 
keit bei dem gleichen Gewicht (wie bei der Spielbelastung) und 
durch Zunahme der Exkursionsweite, der Größe des „Aus¬ 
holens“ der schwingenden Armmasse (66) erzeugt. 
88. Was die Richtung der schwingenden Armbewegung angeht, 
so ist bei der feinen Einstellbarkeit des kugeligen Gelenkkopfes 
des Oberarmes (54) und bei der eigentümlichen Anordnung 
der am Oberarmschaft von allen Seiten her aufgewickelten 
Muskelfasern die Richtung, man möchte sagen: ganz gleich¬ 
gültig. Die Bewegung erfolgt unterschiedslos in gleicher Leich¬ 
tigkeit nach allen Seiten hin, in jedem Winkelgrad und zwar 
gewöhnlich unter Längsrollung des Oberarmes. Jede beliebige 
Taste mit jedem beliebigen Finger zu treffen, wird durch Ziel¬ 
übungen aufs genaueste und mit größter Sicherheit, zuletzt 
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