Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die physiologischen Fehler und die Umgestaltung der Klaviertechnik
Person:
Steinhausen, F. A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38311/152/
GRUNDFORM DER ANSCHLAGSBEWEGUNG. 
Das Studium der Belastungen lehrt uns die richtige, natür- 8l. 
liehe Stellung kennen, welche die Finger sowohl bei dem größt¬ 
möglichen auf ihren Kuppen wirkenden Druck als auch bei 
geringerer Belastung physiologisch notwendig einnehmen müssen 
und tatsächlich auch von selbst einnehmen: es ist eine leichte 
Beugestellung aller Fingergelenke und der Hand- und Mittel¬ 
handgelenke, so daß eine Art Gewölbe (78) entsteht, welches 
dem größten Druck genug Widerstand entgegenzusetzen ver¬ 
mag. Auch bei der Spielbelastung gewahren wir die spontane, 
natürliche Neigung zu dieser Handform, welche also die für 
den Anschlag gegebene, jeder Belastung gewachsene, und daher 
auch jede Energie von oben her auf die Taste am zuverlässigsten 
übertragende ist. 
Damit ergibt sich die Richtung der Fingerspitze beim Auf¬ 
treffen auf die Taste von selbst: Das zweite bis fünfte Nagel¬ 
glied steht zur Tastenoberfläche nicht senkrecht, sondern leicht 
geneigt (65 bis 70°), eine Neigung, die durch die anatomische 
Betrachtung der Sehnenansätze an den Fingergliedem als zweck¬ 
mäßigste bestätigt wird. Beim Daumen trifft dagegen die Seiten¬ 
fläche des Nagelgliedes ziemlich in demselben Winkel auf. Eine 
die Scheitelpunkte der fünf Fingerkuppen verbindende, indivi¬ 
duell selbstredend verschieden geformte Linie stellt, gleiche Bela¬ 
stung aller Finger vorausgesetzt, annähernd einen Kreisbogen dar. 
Der Größe des Anschlagswinkels darf jedoch nicht zu 
große Bedeutung beigemessen werden. Denn bei der in be¬ 
stimmter Richtung auf die Taste auftreffenden lebendigen 
Kraft ist die Stellung der Finger für die Wirkung ziemüch 
gleichgültig, weil die Taste ja keinen frei beweglichen Körper 
darstellt, sondern durch ihre Drehbarkeit um eine horizontale 
Achse begrenztem Bewegungszwang unterliegt. Beim Klavier¬ 
spiel wird der Anschlagswinkel also weniger durch die Mechanik 
des Auffallens der Anschlagsmasse als vielmehr durch die Stel¬ 
lung bestimmt, in welche die einzelnen Skeletteile der Hand 
im Moment des Auftreffens zu stehen haben. 
Stetnhausen, Klaviertechnik. 
145 * 
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