Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die physiologischen Fehler und die Umgestaltung der Klaviertechnik
Person:
Steinhausen, F. A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38311/120/
VERKENNUNG GRUNDLEGENDER KRÄFTE. 
aber energischen Zusammenziehungen zum Zweck eines weit 
ausholenden Wurfes, eines Schwunges in Anspruch genommen. 
Die Vorgänge dabei im Innern der Muskulatur kennt die Wis¬ 
senschaft auch heute noch nicht näher. Wir wissen, daß 
die momentane starke Dehnung eines Muskels bei heftiger 
Schleuderbewegung selbst zu Zerreißungen führen kann. Jeden¬ 
falls treffen im kinetischen Sinn hier beim Schwung Massen¬ 
bewegung und hohe Geschwindigkeit mit hoher Inanspruch¬ 
nahme der Muskelelastizität zusammen. Haben die Verteidiger 
des „elastischen Anschlags“ den Mut, zu behaupten, sie hätten 
etwa diese inneren Zusammenhänge geahnt? 
Nur wenn wir den Begriff des „elastischen Anschlags“ ent¬ 
schlossen fallen lassen, können wir weiterkommen. Wenn der 
Pädagoge Ausdrücke wie Geschmeidigkeit, Nachgiebigkeit, 
biegsame Haltung u. dgl. nicht entbehren zu können glaubt, so 
sollte er sich mindestens stets gegenwärtig halten, daß sie phy¬ 
siologisch und physikalisch nichts besagen und mit dem Begriff 
der Elastizität nichts als bildliche Beziehungen gemein haben. 
Dabei muß man jeden Rest einer Vorstellung aufgeben, als ob 
Fingerkuppe und Taste, in ähnlicher Weise wie zwei elastische 
Körper, Stoß und Gegenstoß erzeugend, aufeinander träfen 
(Germer, Breithaupt). Der Leser wird sich nunmehr davon 
überzeugt haben, wie jede Schlußfolgerung, die aus solcher 
falschen Vorstellung abgeleitet wird, und sich nicht mehr streng 
an die wissenschaftlichen Tatsachen hält, auf einen Irrweg führen 
muß, der rasch zur völligen Konfusion bringt, wie z. B. zur 
Identifizierung von Elastizität und Schwungkraft (4). 
Daß es nach außen hin an jeder elastischen Kraftäußerung 
gänzlich fehlt, das kann man auch durch einfache Versuche fest¬ 
stellen. Läßt man die Hand z. B. mit den Fingerspitzen auf 
die unelastische Tischkante passiv auffallen, so federt sie ebenso¬ 
wenig zurück, wie ein auf die nach oben gerichteten Finger¬ 
spitzen auffallender, an sich nicht federnder Gegenstand zurück¬ 
geschnellt wird. 
Steinhäuser, Klaviertechnik. g 
113 j*
        

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