Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Umkehrung der Raumlage auf dem Kopf stehender Worte und Figuren in der Wahrnehmung
Person:
Lewin, Kurt
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38306/33/
242 Kurt Lt'win: ( ber die Unikehrumr der Kaumlage auf dem Kopf 
günstiger. Nur durfte die Geschwindigkeit nicht so groß werden, daß die 
aufeinanderfolgenden Worte zu vertikalen Streifen verschwammen 
oder sonst zu undeutlich wurden. War die phänomenale Umkehrung der 
Raumlage jedoch erst einmal geläufig, so pflegte ein etwas langsameres 
Tempo als angenehmer, weil ruhiger, bezeichnet zu werden. Auch Yp. A 
(13. \ st., Reihe 29) bezeichnet das Tempo 2(1,5 es als angenehmer als 
das raschere Tempo: „Das ist die angenehmste Geschwindigkeit, da ist 
alles so schön ruhig. Ich habe den Eindruck einer vollständigen Ruhe in 
den Buchstaben." Bei einer Reihe mit je einer Leerstelle äußert sie beim 
fempo 27 cs (17. \ st., Reihe b) : „So schön ist es noch nie gegangen. Das 
Wort stand in der Mitte vom Schlitz vollkommen ruhig. Es war immer 
eine schöne Ruhepause, bis das andere Wort kam." 
Bei I erlangst!mang der Geschwindigkeit gab es für alle Vpn. eine 
Grenze, von der ab eine phänomenale Raumlageänderung unmöglich 
wurde. Diese Grenze war nicht ganz fest. Wenn man, mit einer günstigen 
Geschwindigkeit beginnend, das Tempo bei den aufeinanderfolgenden 
Darbietungsgruppen derselben Reihe allmählich verlangsamte, so konnte 
man mitunter zu relativ langsamen Tempi übergehen, ohne daß das 
Aufrechtsehen unmöglich wurde. War aber diese Grenze einmal über¬ 
schritten, und kehrte man dann wieder zu dem schnelleren Tempo zu¬ 
rück, so versagte das Umkehren noch bei Geschwindigkeiten, wo es eben 
eingetreten war. Offensichtlich gelang es dann nicht, die einmal ver¬ 
lorengegangene Einstellung bei dem an und für sich ungünstigen Tempo 
wieder zu gewinnen. 
Die langsamsti Darbietungsgeschwindigkeit, bei der ein Aufrechtstehen 
\ or kam, war für die Vp. A sowohl bei den Reihen mit wie ohne regel¬ 
mäßige Leerstellen das Tempo 31 cs (17. Vst., Reihe b). Beim Tempo 
•Kies entsprach die phänomenale Raumlage allemal der wirklichen: -Es 
ist beim besten Willen nicht möglich, aufrecht zu sehen"1 (17. \st.. 
Reihe b). hiir die 1 p. li durfte das Tempo bei den Reihen mit unmittel¬ 
bar auf einanderfolgenden Worten nicht unter 20,5 cs heruntergehen, bei 
der anderen Art der Reihen nicht unter 27 cs. 
Beim 1 trlangsamen der Geschwindigkeit pflegten die phänomenalen 
Raumlageänderungen nicht einfach aufzuhören, sondern zunächst die als 
\ orstadien gekennzeichneten Phänomene (S. 210) einzutreten. So statu len 
nicht mehr alle Worte aufrecht, sondern einige erschienen auf dem Kopf- 
Bei der \ p. A pflegte überdies die Drehbewegung wiederum als solche 
sichtbar zu werden. Jenseits der Grenze der Minimumgeschwindigkeit 
kam es es noch vor, daß die Worte zwar alle auf dem Kopf stellend er¬ 
schienen, aber nicht phänomenal von unten (wie wirklich), sondern von 
oben kamen. (Auch hierzu gibt es eine vollkommene Parallele in den 
\ orstadien. Bei den Vpn., denen die phänomenale Raumlageänderung 
überhaupt nicht gelingt, gelingt fast immer die phänomenale L m-
        

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