Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beobachtungen über ein- und zweiohriges Hören
Person:
Hornbostel, E. M. von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38302/6/
Beobachtungen Uber ein- und zweiohriges Hören. 
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Ohr hält. Ihm gesellt sich öfters eine Empfindung der Beanspruchung 
des Ohrs, deren Qualität Tastempfindungen verwandt ist. Oh ein Schall 
mehr objektiv oder mehr subjektiv erscheint, ist auch von der Ver¬ 
haltensweise des Beobachters abhängig1). Dennoch unterscheiden sich 
ein- und zweiohrige Schälle auch an sich in dieser Hinsicht, sowohl 
wenn der Beobachter nicht in einer bestimmten Richtung eingestellt 
ist, als wenn er eine der beiden Auffassungen erstrebt : ein zweiohriger 
Schall läßt sich leichter objektiv erfassen als ein einohriger und unter 
Umständen subjektiv überhaupt nicht. Auch hierin ist das zweiohrige 
Hören dem stereoskopischen Sehen vergleichbar. 
Tonhöhe ein- und ztreiohrig 
Wir vergleichen zunächst ein- und zweiohrige Töne hinsichtlich 
ihrer Tonhöhe. 
Es kommt hier nur auf das Moment an, das sich lad Tönen und Geräuschen 
parallel der Reizfrequenz kontinuierlich ändert und das am besten als Helligkeit 
bezeichnet wird, nicht auf das, das der Oktavenähnlichkeit zugrunde liegt (Quali¬ 
tät), noch auf das, das musikalische Töne und Klänge von Geräuschen unter¬ 
scheidet. (Auf genauere Bestimmungen braucht hier nicht eingegangen zu werden, 
ebensowenig auf die Frage, ob die beiden zuletzt genannten Momente etwa in eines 
zusammenfallen.) I)a auch das, ebenfalls von der Frequenz abhängige, quantitative 
Moment (Volumen) bei den folgenden Beobachtungen unberücksichtigt bleibt, 
ist die Verwendung des alteingebürgerten Ausdrucks Tonhöhe wohl immißver¬ 
ständlich. Die kleinsten wahrnehmbaren Unterschiede hält Stumpf übrigens für 
solche der Tonqualität, nicht der Helligkeit2 3), und gerade dieser Anschauung meines 
verehrten Lehrers kann ich nicht zustimmen. Aber auch darauf kommt hier 
nichts an. 
Ein und dieselbe Gabel klingt, wie Stumpf genauer festgestellt bat;>), 
für das rechte und linke Ohr verschieden hoch. Die Grolle und sogar 
die Richtung des Unterschiedes wechselt für verschiedene hrequenzen 
und auch für verschiedene Beobachter: ferner auch für denselben Men¬ 
schen zu verschiedenen Zeiten — mir wenigstens schien gelegentlich 
ein Unterschied, der einmal ganz deutlich war. bei späterer Wieder¬ 
holung des Versuchs sehr gering, ja kaum merklich: öfters hatte sich 
auch bei der gleichen Frequenz die Richtung umgekehrt. Das mag 
mit dem Allgemeinbefinden4) und der jeweiligen Beobachtungsfähigkeit 
Zusammenhängen. Alan muß sich daher an das einmal mit Sicherheit 
Beobachtete halten und kann die \ ersuche nicht jederzeit und nicht 
') Vgl. Heinz Werner. Grundfragen der Intensitätspsy. hologic. Zeitsrhr. f. 
Psychol. u. Physiol, d. Sinnesnrg.. Erg.-Bd. 10. tiSff. 1Î*——. 
2) VI. Kongr. f. exp. Psychol., besonders S. .t.ltt; Bcitr. S, ,d. 
3) Ton paye hol. 2. 320. 
*) Wie mir Herr Geheimrat Stumpf mitteilt, steigerte sieh der normale Höhen¬ 
unterschied bei einem Herrn zu Zeiten hochgradiger Nervosität bis zu einer Art 
Diplakusis.
        

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