Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beobachtungen über ein- und zweiohriges Hören
Person:
Hornbostel, E. M. von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38302/42/
Beobachtungen Uber oin- mul zweiohriges Horen. 
lor» 
Charakter mehr und nielir clem des monotisehen. Die Lokalisation wird 
weniger extrakraniell, überhaupt weniger präzis, weniger objektiv, 
weniger stereoskopisch, der Schall scheint sieh von seinem diotisehcn 
Ort aus gegen den Kopf hin auszubreiten und nähert sieb daher, ohne 
eigentlich die Winkelrichtung zu ändern, der Mediane. Diese Annähe¬ 
rung an die Mediane kann man als Annäherung an die ,Mitte' auffassen. 
Vielleicht beruht hierauf die Entfernungswahrnehmung: ein Schall 
erscheint um so näher, je monotischer er ist". 
(Versuch 29.) Wird der Weglängenunterschied sehr groß gemacht 
(Überwinkel), so daß der Schall z. B. rechts in der Ohrenachse aber 
noch gut extrakraniell, etwa l/2 m entfernt erscheint, und nun auf der 
Gegenseite (links) geschwächt, so kommt der Schall näher und rückt 
schließlich in das rechte Hörrohr hinein. Die Erscheinung ist sehr 
deutlich, man hat ganz den Eindruck, wie wenn eine Schallquelle dem 
Kopf genähert würde. (Der Versuch eignet sich daher auch gut zur 
Demonstration). 
Hier sei auch an die Beobachtung erinnert, daß ein Drehton in der 
Ohrenachse ferner erscheint als ein gleichzeitig auf derselben Seite 
gehörter monotischer (Gabel-)Ton (S. 87). 
Beim natürlichen zweiohrigen Hören entsteht ein Stärkegetälle 
durch den Kopfschallschatten, wenn der Schall von der Seite kommt. 
Die Schirmwirkung ist um so bedeutender, je näher die Quelle dem Kopf 
ist ; den Grenzfall bildet eine kleine und nicht zu laute Quelle unmittelbar 
vor dem Gehörgang; dort erscheint dann auch der Schall, der in diesem 
Fall extrem, wenn auch beim Normalen vielleicht nie absolut nimmtisch 
ist1). Besonders stark macht sieh der Kopfschallschatten bei hoben Tönen 
geltend, da Wellen um ein Hindernis nur herumgebeugt werden, wenn 
es die Größenordnung der Wellenlänge nicht wesentlich überschreitet. 
Hohe Gabeln muß man sehr stark anschlagen und weit wcghaltcn, um sa¬ 
in der Ohrenachse überhaupt zweiohrig zu hören. Hei Frequenzen zwischen MN» 
und 1600 v. d. hört man den Ton dann, wie die Zeitthcoric c« fordert, auf der < •egen- 
seite, über 10OO in der Mediane, beim Abklingen geht er aber auf -he Nute der -aM, 
d. h. der einohrige tritt anstelle des zweiohrigen auf und tauscht eine ..rieht,-zc 
Lokalisation vor. 
Mit wachsender Entfernung der Quelle nimmt, indem die Wirkung 
des Kopfsehallschattens zurückgebt, auch die l'nterscbiedsempfmdli. h- 
keit für Entfernungen rasch ab*). Die Hiebt.mgswahrnchmung dagegen 
) Schon l)ncq (Mein. Acad. Bruxelles 34. 1ST..) schreib, : Das l rte.l „he, 
Schallquelle kann von der vereinigten latmkeit der beide, 
Unterschied der von beiden Ohren empfançcncn Eindruck- 
die Entfernung einer 
Ohren ahhängen. Der 
ist um so 
bar, daß für schwache 
stimmt.“ Er gesteht ihm aber nur 
■) l'ierce. a. a. O. 1T— f. „• a. 
ren abhängen. Der L ntcrscmcu uc. «oo....... ■ 
um so größer, je leiser der Schall und je naher die Duelle ist. 
, daß für schwache Schälle dieser Unterschied das En,b 
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