Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über eine eigenartige Sehstörung (Dysmorphopsie) infolge von Gesichtsfeldeinengung
Person:
Gelb, Adhémar
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38301/8/
infolge von Gesichtsfoldeinengun«. 
45 
Entsprechende — natürlich im umgekehrten Sinne — zeigte sich, 
wenn die Patienten mit dem linken Auge sahen. 
Es bestand also be.i monokularem Sehen der Patienten die. Dys- 
ntorphopsie stets nur in der temporalen Gesichtshälfte, d. h. nur die¬ 
jenigen Partien eines Objektes, die. sich auf der nasalen Setzhauthälfte 
abbildeten, erschienen deformiert1). 
Die Tatsache, daß die Dysmorphopsie beim monokularen Sehen der 
Patienten halbseitig, beim binokularen dagegen doppelseitig auftrat, 
enthält, selbst wenn man von der Frage nach der Natur und der Ur¬ 
sache der Dysmorphopsie im Augenblick ganz absieht, ein Problem 
von allgemein theoretischer Bedeutung. Weshalb, fragt es sich näm¬ 
lich. „siegten“ beim binokularen Sehen immer gerade die nasalen, in 
ihrer Funktion anscheinend pathologisch veränderten Netzhauthälften 
und nicht die anscheinend normal funktionierenden temporalen? Wir 
möchten die Beantwortung dieser Frage hier, wo wir noch keinen Ein¬ 
blick in das Wesen der Sehstörung haben, aufschieben und nur auf das 
Problem als solches hin weisen. Um aber die Darstellung nicht über¬ 
flüssig zu komplizieren, wollen wir zunächst überhaupt davon absehen, 
dali sich beim monokularen Sehen andere Resultate zeigten als beim 
binokularen, und im folgenden weitere Tatsachen ins Auge fassen, die 
sich beim binokularen Sehen feststellen ließen. 
III. 
1. Bei den bisher mitgeteilten Beobachtungen bewirkte jede Än¬ 
derung des Prüfungsabstandes — einerlei ob das Objekt oder der Be¬ 
obachter seinen Ort änderte — eine Größenänderung des Netzhaut¬ 
bildes, des Gesichtswinkels, unter dem das Objekt vom Patienten ge¬ 
sehen wurde. Es fragte sich daher: tritt die Dysmorphopsie in gleicher 
Weise zutage, wenn ein Objekt, z. B. eine einfache geometrische Figur, 
die in verschiedenen Entfernungen in objektiv verschiedener Große 
geboten wird, stets das gleiche Netzhautbild liefert ? 
Zur Beantwortung dieser Frage wurden den Patienten auf einem 
ausgedehnten, frontalparallelen, grauen Schirm weiße Scheiben von ver¬ 
schiedenem Durchmesser geboten; der Prüfungsabstand war immer so 
gewählt, daß das Netzhautbild der Scheibe konstant blieb. Als Beispiel 
dafür, wie sieh die Patienten bei derartigen Versuchen verhielten, mögen 
nachstehende Protokolle dienen. 
i) Es besteht, natürlich .lie Möglichkeit, daß auch die au den temporalen 
Netzhauthälften sich abbildenden, also in die nasale Gesiehtsfeldhalfte fallenden 
Partien eines Objektes nicht in normaler Weise gesehen W^em Dann „in^en 
aber die Deformationserscheinungen in der nasalen Gesichtsfeldha fte im J er- 
hältnis zu den in der temporalen so gering gewesen sein, daß sie den Kranken 
nicht weiter auffielen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.