Bauhaus-Universität Weimar

Tonometrische Untersuchungen an einem deutschen Volkslied. 
Von 
Otto Abraham, Berlin 
Mit 2 Abbildungen im Text. 
Vor Jahren nahm ich die Melodie „Deutschland über alles“, von 
einer größeren Anzahl von Personen gesungen, phonographiseh und 
tonoinetrisch auf, um die absoluten Tonhöhen und Größen der ge¬ 
sungenen Intervalle und ihre Abhängigkeit von musikalischen Faktoren 
zu ermitteln. 
Direkte Veranlassung zu dieser Untersuchung boten gemeinsam mit 
Prof. v. Hornbostel ausgeführte Messungen phonographierter exotischer 
Musik. Um ein Werturteil über Reinheitsbreite und Konstanz exotischer 
Musik zu bilden, glaubte ich, zuerst in unserer europäischen Melodik 
einen Maßstab gewinnen zu müssen. 
Auch der alte Streit der Musiker, ob von Sängern und Streichern 
„temperiert'1 oder „rein“ musiziert werde, sollte durch diese Unter¬ 
suchung ausgefochten werden. 
Die Sänger der Phonogramme waren in musikalischer Beziehung 
sehr verschiedenwertig. 2 haben ein sicheres absolutes Tonbewußt¬ 
sein, 3 andere sind sehr musikalische und routinierte Sänger und 
Sängerinnen ohne absolutes Gehör, 3 sind recht musikalisch, aber 
im Notensingen ungeübt, 3 sind weniger musikalisch, und eine Vp. 
endlich ist so hervorragend unmusikalisch, wie man es selten finden kann. 
Gerade die Verschiedenartigkeit der Musikalität ist bei solchen Unter¬ 
suchungenwichtig, da man schließen kann, daß eventuelle, auch für Un¬ 
musikalische geltende Konstanten das Wesentliche, dagegen die nur für 
Musikalische geltenden Konstanten den Luxus in der Musik bedeuten. 
Von einigen Vpn. wurden mehrere phonographische Aufnahmen der¬ 
selben Melodie gemacht, um Zufälligkeiten auszuschließen, um überein¬ 
stimmenden Werten eine größere Prägnanz zu verleihen und bei Nicht¬ 
übereinstimmung die Gründe der Abweichung ermitteln zu können. Im 
ganzen stehen mir 23 Walzen zur Verfügung, die infolge häufiger Wieder¬ 
holung einzelner Mekxlieteile ein stattliches Untersuchungsmaterial er¬ 
geben. 
Von jedem einzelnen Ton der Melodie und ihrer Wiederholungen 
wurde mit Hilfe des nach Schwebungen neu geaiehten Appunn sehen Ton- 
Psychologische Forschung. Bd. 4. 
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