Bauhaus-Universität Weimar

Fröschels, Zur Pathologie des Stotterns. 
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Öffnung des Verschlusses erfolgt mehr passiv durch die Kraft der 
Luft. Die Luft selbst kann entweder — diesbezüglich bestehen in 
den Verschiedenen Sprachen große Unterschiede — durch die weitge¬ 
öffnete Stimmritze während des ganzen Aktes der Lautbildung 
fließen oder aber das Ausströmen beginnt erst, nachdem die be¬ 
treffende Artikulationsstellung schon vollendet bezw. wenn der 
Verschluß aufgehoben wird, wobei dann wieder die Stimmritze 
mehr oder minder kräftig geschlossen sein kann. Wenn wir Deut¬ 
schen ein B sagen, so tritt die Stimme in dem Augenblick auf, in 
welchem der Lippenverschluß gelöst wird, und es besteht ein sehr 
geringer Unterschied zwischen dem B allein und etwa einem Ba, 
wenn dieses a nur sehr kurz ausgesprochen wird. Es kommt das B 
ebenso wie das D und G einer Silbe, wenn wir darunter nach Ku߬ 
maul eine Verbindung von Konsonanten mit Vokal verstehen, schon 
sehr nahe. Da sich nun meine vorhegenden Untersuchungen mit 
der Frage befassen, ob es auch ein Stottern bei einzelnen Lauten 
gibt, so habe ich mich im Sinne der obigen Ausführungen nur mit 
stimmlosen Lauten, und zwar den harten Explosivlauten P, T und K 
befaßt. 
Ich habe nun im Laufe der Zeit eine größere Anzahl von 
Stotterern gefunden, welche bei diesen Lauten deutlich stotterten1). 
Dabei fand ich sowohl die sogenannte klonische als auch die tonische 
Form des Stotterns. Unter klonischem Stottern versteht man 
etwas, was mit klonischen Krämpfen manche Ähnlichkeit hat. 
Statt P sagt ein derartiger Patient ppppp, statt du dudududu, 
statt aber aaaaber. Das tonische Stottern läßt sich schriftlich 
schwer darstellen. Es beruht darauf, daß der Patient die betreffende 
Lautstellung seiner Sprachwerkzeuge übermäßig lange mnehält. 
In neuester Zeit ist es mir gelungen, das Stottern einzelner Laute 
bei einigen Patienten, darunter einem 8 jährigen körperlich gesunden 
Knaben, welcher seit seinem 3. Lebensjahre an der Krankheit 
leidet, graphisch darzustellen, was als ein besonderer Zufall an¬ 
gesehen werden muß. Denn es ist eine Eigenheit des Stotterns, 
daß es zeitweilig verschwindet und bei meinen früher beobachteten 
Fällen von Lautstottern hörte dieses sofort auf, wenn ich die gleic h 
näher zu beschreibenden Registrierapparate an wendete. 
1) Ein Übertreiben der Artikulationskraft bei isolierten Lauten 
findet sich fast in jedem Falle, so daß man allgemein ' <>n Laut 
stottern sprechen könnte. Ich will mich jedoch nie it t amit 
begnügen, sondern auch beweisen, daß die gleichen s 0 , V"n 
Störungen, wie bei Silben, ein krampfartiges Hängenbleiben un ie er 
holen, auch bei einzelnen Lauten, vorkommt.
        

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