Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Systematik der Sprachlaute als Grundlage eines Weltalphabets
Person:
Forchhammer, Jörgen
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38286/46/
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Forchhammer, Systematik der Sprachlaute 
Das rationellste wäre sicherlich, diese sämtlichen phonetischen 
Lautzeichen über Bord zu werfen und — wenn uns die Buch¬ 
stabeneinteilung nicht mehr genügt — uns nach einem Mittel 
umzusehen, das mit jeder Differenzierung Schritt hielte. 
Ein solches Mittel besitzen wir in der Zahlenreihe. In der 
Mathematik,wo wir uns häufig mit einer bis insUnendliche gehenden 
Differenzierung beschäftigen müssen, hat eine Schreibweise wie a^ 
a2, a3 usw. sich als praktisch bewährt, und ich bin der Überzeugung, 
daß deren Überführung auf das phonetische Gebiet sich als sehr 
fruchtbar erweisen würde. Bezeichne ich z. B. ein bestimmtes a 
mit a1; ein bestimmtes y mit y2 und ein bestimmtes n mit n3, so 
wird ein Wort wie „ein“ — geschrieben — abgesehen von 
den Lautübergängen mit derselben Genauigkeit angegeben sein, 
womit die drei Laute alt y2 und n3 bestimmt sind, und diese Ge¬ 
nauigkeit kann so weit geführt werden, wie man überhaupt die ver¬ 
schiedenen Lautvariationen voneinander unterscheiden und be¬ 
schreiben kann. 
Ein anderer Vorteil dieser Schreibweise wäre der, daß der so 
geschriebene Text auch vom Nichtphonetiker sofort gelesen werden 
könnte, jedoch natürlich nur mit der Genauigkeit , die das Welt¬ 
alphabet ihm gibt. Dies ist bei der jetzigen phonetischen Schreib¬ 
weise nicht der Fall, und sehr oft wird der Laie eben durch eine 
solche ihm völlig unleserlichen Schreibweise zurückgestoßen. 
Das Nieder schreiben fremder Sprachen würde hierdurch ausser¬ 
ordentlich erleichtert werden, indem man sich in der Regel einfach 
des Weltalphabets würde bedienen können; wenn man nur im An¬ 
fang angäbe, welchen von den 1-Lauten z. B. die betreffende 
Sprache benützt. Nur wo mehrere solcher 1-Laute nebeneinander 
mit verschiedener Bedeutung benutzt werden — was wohl ver¬ 
hältnismäßig seltener der Fall sein wird —, müßten solche Laute 
durch Hinzufügung Von entsprechenden Zahlen voneinander 
unterschieden werden. 
Da wir uns den Platz über den Buchstaben für die Betonungs¬ 
zeichen Vorbehalten haben, empfiehlt es sich, die Zahlenbezeich¬ 
nungen, wie es auch in der Mathematik gebräuchlich ist, unten 
beizufügen. 
Besonders gut eignen sich die Zahlen zur Bezeichnung der 
verschiedenen Artikulationsstellen (vgl. 16). Bezeichnet man 
nämlich diese von vorne nach hinten mit den Zahlen 1 bis 9, z. B. : 
1. = die Oberlippe, 2. = die Schneide, 3. = die hintere Fläche 
der oberen ^ orderzähne, 4. = die Zahnscheiden, 5. = die vordere,
        

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