Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Systematik der Sprachlaute als Grundlage eines Weltalphabets
Person:
Forchhammer, Jörgen
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38286/3/
als Grundlage eines Weltalphabets. 
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interessierten, nämlich dafür: immer genauere, d. h. umständ¬ 
lichere und kompliziertere Lautschriften zu konstruieren, um da¬ 
mit alle möglichen Laute der Erde bezeichnen zu können. 
2. Untersuchen wir einmal diese Bestrebungen, so finden wir 
z. B. in der Zeitschrift „Anthropos“ vom Jahre 1907 (Bd. II) 
«inen außerordentlich gelehrten Aufsatz: „Die Sprachlaute und 
ihre Darstellung in einem allgemeinen linguistischen Alphabet“, 
wo der Verfasser, P. W. Schmidt, ein neues linguistisches Alphabet 
auf Grundlage einer „genauen wissenschaftlich-methodischen Er¬ 
fassung der Sprachlaute“ aufzustellen versucht (S. 284). „Die vom 
wissenschaftlichen Standpunkt an eine allgemeine Laut¬ 
schrift zu stellenden Anforderungen“ hat der Verfasser von 
P. Sacleux (Essai de Phonétique p. 5) übernommen (Schmidt, 
S. 512). „Aus dem Grundsatz: ,Ein einziges Zeichen für jeden 
Laut, ein einziger Laut für jedes Zeichen“ leitet er folgende Einzel¬ 
forderungen ab: 
1. Jeder Buchstabe muß einen Laut darstellen. 
2. Derselbe Laut muß auch überall durch denselben Buch¬ 
staben ausgedrückt werden, und dieser hat stets nur eine Aus¬ 
sprache. 
3. Jeder einfache Laut muß mit einem einzigen Zeichen ge¬ 
schrieben werden. 
4. Jeder zusammengesetzte Laut muß durch jedes der ent¬ 
sprechenden Zeichen dargestellt werden, welche ihn zusammen¬ 
setzen.“ 
In seiner Kritik in der „Bibliographia Phonetika für das Jahr 
1908 bedauert Panconcelli-Calzia, daß so viele Mühe auf eine so 
unlösbare Aufgabe verschwendet wurde. 
Aber warum ist denn diese Aufgabe, so wie sie z. B. Schmidt 
hier gesteht hat, so unlösbar ? Ich glaube die Frage dahin beant¬ 
worten zu können, daß die Unlösbarkeit der Aufgabe schon in den 
obengenannten „wissenschaftlichen Anforderungen“ liegt, und zwar 
bereits in dem erstgenannten Grundsätze. Die Forderung: „ein 
einziges Zeichen für jeden Laut“ muß nämlich von der Voraus¬ 
setzung ausgehen, daß es nur eine begrenzte Zahl von Lauten gibt, 
und dies ist ja, wie wir wissen, nicht der Fall. Weder bei einer be¬ 
stimmten Sprache, noch bei einem bestimmten Dialekte derselben, 
ja nicht einmal bei einer einzelnen Person läßt sich eine bestimmte 
Zahl von Sprachlauten feststellen. Je nach ihrer Zusammenstellung 
ändern sich die Sprachlaute unaufhörlich. Soll nun gar von einem 
Weltalphabet die Rede sein, welches sämtliche Laute der Erde um- 
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