Bauhaus-Universität Weimar

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Schilling, Die Deckung des Gesangstones 
In dem erwähnten, 1911 erschienenen Aufsätze habe ich 
das Ergebnis einer schon vor mehreren Jahren begonnenen 
Untersuchungsreihe veröffentlicht, die ich an 5 Sängern laryngo- 
und endoskopisch angestellt habe. Durch sie war zunächst 
einmal in Bezug auf die Stellung des Kehldeckels nachgewiesen, 
daß die vielfach verbreitete Anschauung, die Deckung werde durch 
„Senkung“' des Kehldeckels bewirkt, nicht zutreffend ist. Im 
Gegenteil war bei den V okalen A und A stets eine Hebung des 
Kehldeckels zu sehen, und zwar in allen Tonlagen, insbesondere 
in der Mittellage. Bei den übrigen Vokalen konnte auf dem laryngo- 
skopischen Wege wenig gewonnen werden, da die Wölbung der 
Zunge die Aussicht verdeckt und auch die endoskopischen Resultate 
wegen der Berührung des Instrumentes mit Teilen der Mundhöhle 
nicht ganz einwandfrei sind. 
Pielke (4) gibt uns in seiner im gleichen Jahre erschienenen 
interessanten Arbeit an der Hand gesanglicher und sprachlicher 
Beispiele ein anschauliches Bild von der gesangsästhetischen und 
stimmpädagogischen Bedeutung der Deckung. Er zeigt, uns, 
wie bei den ungedeckten Tönen der ungeschulten oder mangelhaft 
geschulten Stimme die Töne aufwärts von einer bestimmten Gegend 
immer mehr einen unedlen, flachen, gequetschten, ordinären Klang 
annehmen; er gibt uns sodann eine ausführliche Darstellung seiner 
mit Gutzmann gemachten klanganalytischen Untersuchungen und 
zeigt, daß bei den gedeckten Tönen gewisse konstante Unterschiede 
im Amplitudenverhältnis der Partialtöne bestehen: relative Stärke 
des Grundtones bei gedeckten Tönen, des II. Partialtones bei 
ungedeckten; außerdem sind die gedeckten Töne reicher an Ober¬ 
tönen als die ungedeckten. Pielke teilt ferner gesangstechnisch 
wichtige Beobachtungen über die Beziehung der Deckung zur 
A okalität mit, indem er findet, daß von einem bestimmten Ton an 
die meisten \ okale nur bei gedeckter Tongebung ihre Vokalität 
bewahren. 
Eine Beobachtung Pielkes ist hier noch zu erwähnen, welche 
die Gießkannenknorpel und die Taschenbänder betrifft. „Die 
ersteren richten sich beim Übergang aus der offenen in die gedeckte 
Tongebung nach hinten zu auf und erscheinen dadurch verschmälert , 
und die Längsausdehnung der Stimmbänder erscheint vergrößert. 
Die Taschenbänder weichen bei der gedeckten Tongebung mehr 
nach außen, so daß beim offenen Ton die Stimmbänder etwas 
schmaler als beim gedeckten erscheinen.“ 
Da die Untersuchungen mit dem Kehlkopfspiegel und dem
        

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