Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Erkennen sukzessiv gegebener musikalischer Intervalle in den äußeren Tonregionen
Person:
Maltzew, Catharina von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38274/13/
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v. M a 11 z e w , Das Erkennen 
Sukzessivintervallen Beurteilte ist dagegen von Intervall zu Inter¬ 
vall qualitativ verschieden. Ein Tritonus ist nicht so sehr 
ein kleineres Intervall als die Sexte, Tritonus und Sexte verhalten 
sich zueinander nicht wie z. B. zwei Intensitätsunterschiede von 
Tönen, sondern jedes der beiden Sukzessivintervalle besitzt seine 
absolute Qualität. Wir können schon innerhalb einer Oktave 
12 Intervalle absolut, ohne Beziehung aufeinander erkennen, was 
bei quantitativen Reihen, z. B. innerhalb von Intensitäts- oder 
Distanzreihen, nicht so leicht möglich sein dürfte. Das Wieder¬ 
erkennen eines Intervalls gleicht dem Erlebnis beim Wieder¬ 
erkennen einer Farbe, die wir unmittelbar als rot, blau, gtün 
bezeichnen, ohne sie mit anderen Farben verglichen zu haben. 
Die Selbstbeobachtung führt zu diesen Behauptungen : schlagen wir 
am Klavier mehrmals die Töne c1—e1 nacheinander an und suchen 
das Erlebte zu beschreiben, so haben wir — soll die Beschreibung 
vollständig sein -— neben den beiden Tonhöhen den eigenartigen 
Übergang oder Schritt nicht zu vergessen, der von einem Ton zum 
andern führt. Diesen Schritt erleben wir unmittelbar. Lassen wir der 
Terz einen Tritonus folgen, so ist das Erleben des Schrittes natürlich 
noch auffallender, denn es kommt uns lebhaft zu Bewußtsein, daß 
dieser Schritt ein ganz anderer ist als der vorige, zumal daß er 
qualitativ ein ganz anderer ist. Setzen wir unsere Beobachtung 
weiter fort und schlagen in bunter Folge Quinten, Septimen, Ok¬ 
taven, Sexten an, so wird uns immer klarer, daß jeder dieser Schritte 
ein Individuum für sich ist, daß im Erleben jedes von ihnen etwas 
Typisches liegt, was in der einen Weise nur der Terz, in der anderen 
nur der Quarte, in wieder anderer nur der Quinte eigen ist. Da wir 
bei solchen Beobachtungen ferner finden, daß es für das typische 
Schritterlebnis bei einem bestimmten Intervall gleichgültig ist, 
welche absolute Höhe die Töne besitzen, an denen es auftritt, daß 
vielmehr im allgemeinen5) angenäherte Konstanz ihres Schwin¬ 
gungszahlenverhältnisses genügt, um bei ihrer Sukzession immer 
en gleichen charakteristischen Inhalt zu erzeugen, so sehen wir uns 
zu der Annahme geführt, gerade dieser Inhalt sei es 
überhaupt, der uns veranlasse, von einem 
und demselben Intervall zu sprechen, wenn 
immer Töne desselben Frequenzverhält¬ 
nisses aufeinanderfolgen. Und so stellen wir die 
ypo hese auf, daß jeder Intervallbeurteilung innerhalb unseres 
') Eme Ausnahme werden wir weiterhin kennen lernen.
        

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