Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Beziehung der medizinischen Wissenschaft zur Taubstummenbildung mit besonderer Berücksichtigung der phonetischen Entwicklung
Person:
Krafft, Otto
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38273/6/
Krafft, Die Beziehungen 
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Lager heraus die Erfolg- und Haltlosigkeit der ins Werk gesetzten 
Bestrebungen mit treffender Klarheit und offener Freimütigkeit 
beleuchtete und einen Standpunkt vertrat, den auch wir teilten, 
wenn wir im Jahre 1898 auf Grund eingehender Versuche in der 
Vereins-Taubstummenanstalt zu Königsberg i. Pr. die Hörübungen 
als eine rein technische Schulung der gefühlsmäßigen Auffassungs¬ 
fähigkeit bezeichneten. 
Die flammende Begeisterung, welche das Taubstummen- 
bidlungswesen zur Zeit der Jahrhundertwende in dem Interesse 
für die von Prof. Dr. Bezo/d-München aufgenommenen Ideen des 
Prof. Urbantschitsch kennzeichnet«, hat nach der ^Bundesversamm¬ 
lung deutscher Taubstummenlehrer“ zu Hamburg 1900, die sich 
mit dieser Frage beschäftigte, ihren Höhepunkt überschritten und 
ist in ein ruhigeres Fahrwasser sachlicher Betrachtung übergelenkt. 
In unserer besonderen Hochachtung gegen Prof. Dr. Bezold ver¬ 
dient es der besonderen Erwähnung, daß er in strengster sachlicher 
itik gegen sich selbst auf Grund fortgesetzter Nachprüfungen 
seiner I orscliungsergebnisse sich von der Höhe unerfüllbarer Er¬ 
wartungen Schritt um Schritt auf das Niveau realer Verhältnisse 
zur uckre vidierte. Gerade hierin erblickt die Fachwelt einen be¬ 
sonderen Anlaß, diesem hervorragenden Gelehrten die Herzen der 
deutschen Taubstummenlehrer in vollster Sympathie entgegen¬ 
schlagen zu lassen, und wenn auch die deutsche Taubstummen- 
lehrerschaft der von Prof. Dr. Bezold vorgeschlagenen Trennung 
nach Horgraden im praktischen Taubstummenunterricht nur unter 
gewissen, noch näher zu bezeichnenden Voraussetzungen zu folgen 
vermag, so wird dadurch der wissenschaftliche hohe Wert der 
Forschungsergebnisse dieses hohen Gelehrten, der 
a)...durch die Erfindung der „kontinuierlichen Tonreihe“ die 
Hörprüfung auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt, 
J, j , ?ln S.ed'er11, diesbezüglichen Arbeiten eine Bestätigung der 
“che“ The°rie über die Funktion der Membrana basilaris 
zu finden geglaubt und 
c) die menschliche Stimmlage (b I bis g II) an der Tonskala 
zu messen versucht hat, 
nicht berührt und das um so weniger, als Prof. Dr. Bezold die auf 
empirischem Wege gewonnene Ansicht der Taubstummenlehrer, 
«viTT ! T”8 dCT or8an*scben Hörfähigkeit durch eine 
systemat'sche akustische Einwirkung sich nicht erzielen lasse, 
durch seme wissenschaftlichen Arbeiten, wie Bezold es offen aus¬ 
gesprochen, bestätigt hat.
        

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