Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die physiologischen Fehler und die Umgestaltung der Klaviertechnik
Person:
Steinhausen, F.A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38236/82/
VERKENNUNG GRUNDLEGENDER KRÄFTE. 
eigentlich einen psychisch einheitlichen, planvoll zusammen¬ 
gesetzten Mechanismus dar, welcher in unzählbaren Variationen 
nach Form, Beschleunigung und Exkursionsweite den immer 
wieder neuen Ansprüchen des musikalischen Vortrags sich an¬ 
paßt. Man kann verstehen, wie jede nicht in das Ganze passende 
Muskelaktion — und das ist jede aus dem Rahmen heraus¬ 
fallende Einzelfingerhebung und -beugung, — den Schwung, 
seine Freiheit und seinen Arbeitseffekt stört. 
Rollung und Fingerhub oder -Streckung schließen sich aus. 75. 
Die Führung der Anschlagsfolge ist bei beiden gänzlich verschieden : 
dort schwingender Anstoß von oben, hier Fixation weit hinauf. 
Freilich die Tastenbreite verlangt hier wie dort die gleiche 
Spreizung der Finger und damit ein aktives, als Fehlerquelle 
unerwünschtes Eingreifen der kleinen Handrückenmuskeln. 
Während aber die Fingertechnik eine Bereitstellung jedes Fingers 
über der Taste, eine fertige Dauerhaltung voraussetzt, bean¬ 
sprucht der schwingende und rollende Anschlag die zur Über¬ 
tragung der lebendigen Kraft auf die Fingerspitze nötige leicht 
versteifende Muskelaktion erst im Moment des Anschlags. 
Die „Versteifung“ des anschlagenden Fingers ist stets eine 
momentane und wiederum schwingende Bewegung, sie ver¬ 
schwindet auch sofort bei jedem Liegenlassen auf der Taste, 
weil sie dann in die weit geringere stützende Tätigkeit der 
Fingermuskeln für die Spielbelastung (80) übergeht. Darin 
liegt also die Hauptsache, daß der von der Schulter herabeilende 
Impuls nacheinander alle Muskeln erfaßt, und daß die Finger¬ 
muskeln den Schwung momentan aufnehmen und weitergeben. 
So übertragen sie auf die Taste nicht ihre kleine örtlich erzeugte, 
sondern die große schwingende Kraft von oben her. Wie un¬ 
vergleichlich geringer ist aber diese die Finger momentan 
schwingend befestigende Muskelaktion als der maximale Hub 
mit nachfolgender Beugung. Betrachtet man die anatomische 
Stellung der fünf (leicht gespreizten) Finger zur Mittelhand 
und Handwurzel, so drängt sich unwillkürlich bei Hinzutritt 
* 77 J*
        

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