Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die physiologischen Fehler und die Umgestaltung der Klaviertechnik
Person:
Steinhausen, F.A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38236/41/
DRITTER ABSCHNITT. 
der Erteilung der Impulse vom Zentrum her und bei der Ein¬ 
übung der ganzen Bewegung. Das genaue Zusammenpassen, 
das feine Nach- und Nebeneinander der gleichzeitigen und zeit¬ 
lich sich folgenden Einzelaktionen ist ein so ausgesprochen 
psychischer Prozeß, daß der Satz: „die Übung ist ihrem Wesen 
nach psychische Arbeit“ gerade bei dieser Betrachtung am un¬ 
mittelbarsten einleuchtet. Man nehme die Anschauung zu 
Hilfe, indem man eine zusammengesetzte gröbere Bewegung, 
wie Aufheben eines Gegenstandes vom Boden, Sprung über 
ein Hindernis, Anziehen eines Stiefels und dgl. in ganz lang¬ 
samer Ausführung in allen Einzelheiten wiederholt genau ver¬ 
folgt. Der Klavieranschlag ist feiner aber um nichts weniger 
kompliziert. Ein außerordentlich exakt abgestuftes Nach-, 
Gegen- und Miteinanderwirken der verschiedensten Muskeln 
geht vom Rumpf und der Schulter hinunter bis zu den kleinen 
Fingermuskeln. 
38. Es ist ein physiologisches Gesetz, daß an einer zusammen¬ 
gesetzten Bewegung sich alle Muskeln beteiligen — wenn auch 
nur mit einzelnen ihrer Bündel —, soweit sie nur irgend zu der 
betreffenden Bewegung beizutragen vermögen. Diesen Satz 
kann man sich nicht genug einprägen, erklärt er doch viele 
sonst unverständliche Vorgänge in der Muskelmechanik. Die 
Auswahl der dazu geeigneten Muskeln oder Muskelteile geschieht 
durchaus für uns unbewußt, trotzdem aber absolut richtig und 
zuverlässig. In dieser Auswahl vollzieht sich eine Ausschaltung 
aller zweckwidrigen, anfangs unwillkürlich mitwollenden Muskeln. 
Anfangs tritt überall ein Zuviel hervor, der bekannte unzweck¬ 
mäßige und übermäßige Kraftaufwand des Anfängers. Darin, 
daß das Zuviel, wie jeder aus Erfahrung weiß, immer mehr auf 
das richtige Maß zurückgebracht wird, spricht sich das von 
unserm Organismus stets gewissenhaft befolgte Gesetz der Kraft- 
erspamis48 aus: die sicher, glatt und geläufig erfolgende Be¬ 
wegung verbraucht nur gerade soviel an Muskelkraft als dem Zweck 
entspricht, sie ermüdet dadurch auch immer weniger und gewinnt 
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