Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die physiologischen Fehler und die Umgestaltung der Klaviertechnik
Person:
Steinhausen, F.A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38236/24/
FALSCHE ANSCHAUUNGEN ÜBER DIE TONBILDUNG. 
kalischen und dem musikalischen, psychischen Element bei der 
Tonbildung auf dem Klavier. Bevor man sich hierüber nicht klar 
geworden, ist jede Verständigung unmöglich, jede Erörterung 
nutzlos. Auf dem Klavier verhält sich’s mit der Tonbildung nun 
einmal anders als auf den Streich- und Blasinstrumenten und 
beim Singen. Man würde vergeblich sich bemühen, wollte 
man in der Tonbildung auf einem Streich- oder Blasinstrument 
die rein physikalische Tonerzeugung vom musikalischen Ausdruck, 
selbst vom einfachsten psychischen Element trennen; man 
müßte schon den Bogen mit einer maschinellen Vorrichtung 
bewegen, das Blasinstrument etwa wie bei der Orgel mit einem 
Windapparat anblasen. Bei der Singstimme ist es ganz un¬ 
möglich, den psychischen musikalischen Einfluß auszuschalten, 
(man müßte denn mit einem ausgeschnittenen Kehlkopf ex¬ 
perimentieren). Der Mensch gibt aber stets, sobald er nur 
einen Ton auf einem Musikinstrument spielt, von seinem innern, 
seelischen Leben etwas dazu, ein musikalisches Element, einen 
Ausdruck, ein Stück Vortrag; nur das Klavier macht eine 
Ausnahme, es steht in dieser Beziehung auf der tiefsten Stufe 
der Instrumente. 
Um das rein physikalische Element auf dem Klavier zu iso- 21. 
lieren, müssen wir bei stets gleichbleibender Tonstärke uns auf 
eine einzige Taste beschränken. Damit wäre in der Tat das 
physikalische Element des Anschlags für sich gleichsam her¬ 
ausgeschält.*) Die zu beantwortende Fundamentalfrage läßt 
sich nunmehr einfach so formulieren: fällt der Ton bei gleich¬ 
bleibender Anschlagstärke auf der gleichen Taste durch die 
*) Um Mißverständnisse zu verhüten, sei betont, daß der hier 
gemeinte rein physikalische, scharf dem „Vortrag“ gegenüber- 
gestellte „Anschlag" von der physiologischen „Anschlagbewcgung“ 
zu trennen ist. Der rein mechanisch-physikalische Anschlag an 
sich bildet nur einen Teil der Anschlagbewegung, welche ihrerseits 
einen psychisch-physischen, den Vortrag also schon vielfach in sich 
einbeziehenden Vorgang darstellt. 
■~> ♦ 
Jt 19 J*
        

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