Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die physiologischen Fehler und die Umgestaltung der Klaviertechnik
Person:
Steinhausen, F.A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38236/122/
ANMERKUNGEN. 
umfassendererWeise über die Muskulatur bei einer Bewegung ver¬ 
fügt. Diesem auch in wissenschaftlichen Kreisen hier und da noch 
nicht ganz überwundenen, aber bequemen und in seinen Fol¬ 
gerungen verwirrenden Schematismus endgültig fallen zu lassen, 
ist unbedingt geboten. Caland (Klavier-Lehrer 1904 S. 272) 
stellt ihrer Idee von der innerlichen Muskelspannung zuliebe 
die Prinzipien der Übung auf den Kopf. Während geläufige 
Bewegungen immer unbewußter, automatischer werden, hält 
sie es „für unsre Aufgabe, festzustellen, welche Muskeln wir 
mit Bewußtsein gebrauchen lernen sollen, damit die andern 
Muskeln, die mit diesen in natürlichem Zusammenhang arbeiten, 
die beabsichtigte Bewegung hervorbringen“. 
55. Nach S. Meyer ist der Zeitgewinn durch Vermeiden* 
lernen der durch anfangs unzweckmäßige Mitbewegungen be¬ 
dingten Umwege die physiologisch einzig mögliche Erklärung 
für die Förderung der Schnelligkeit durch Übung. 
56. Die Untersuchungen Jaells mit dem D’ARSONVALschen 
Chronometer stimmen mit Raifs Ergebnis in dem wichtigsten 
Punkte überein, daß geübte Klavierspieler keineswegs schnellere 
Bewegungen ausführen als ungeübte, daß vielmehr das um¬ 
gekehrte Verhältnis zutreffen könne. Jaell zieht aber nicht 
die physiologisch richtigen Folgerungen daraus, sie sucht viel¬ 
mehr die Schnelligkeit des Anschlags jedes einzelnen Fingers 
für sich durch besondere Methode zu erhöhen, nämlich mit Hilfe 
gesteigerter Anspannung der Muskeln. S. 2 heißt es wörtlic . 
„Die Unfähigkeit, eine Anschlagsbewegung schnell und energisch 
auszuführen, beruht auf der völligen Schlaffheit der Muskeln ; 
diesem Mangel an Spannung sei nur abzuhelfen, wenn jedes sich 
bewegende Organ ein nicht bewegtes zum Stutzpunkt hat, 
folglich sei Muskelspannung erforderlich vom Finger bis zum 
Rücken. Also gerade das Gegenteil der natürlichen Passivität, 
der mechanisch notwendigen Entspannung, überall absic tie 
aktives Eingreifen und damit Verhinderung jeder freien us- 
nutzung der Schwere und der Trägheit, der wahren Grün - 
faktoren aller Bewegungen. Man sieht, in neuer Form der a e 
Gegensatz zwischen natürlicher Bewegung und willkürlich 
ausgedachter und mühsam eingearbeiteter „Kunstbewegung . 
57. Wahres und Falsches findet sich oft unvermittelt neben¬ 
einander. So sagt Plaidy („Der Klavierlehrer“, Leipzig 1874), 
die Ellbogen müßten ungezwungen vom Körper etwas abstehen, 
und verlangt dann Übungen mit stillstehender und festliegender 
j* 117 ->*
        

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