Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Harmonium, sein Bau und seine Behandlung. Dritte vermehrte Auflage
Person:
Riehm, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38225/10/
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Seinem Charakter nach steht das Harmonium zwischen 
dem Pianoforte und der Orgel, mit jenem mehr nur äusser- 
lich, mit dieser mehr innerlich verwandt, aber auch von ihr 
wieder wesentlich verschieden. Mit beiden Instrumenten hat 
es die Einrichtung gemein, dass die Schlüssel zu den einzelnen 
Tönen dem Spieler in der Gestalt von Tasten zur Hand 
liegen, die man daher, wie bei jenen Instrumenten claves und 
in ihrer Gesamtheit Klaviatur oder auch, sofern sie durch die 
Hände (manus) regiert werden, Manual nennt. 
In der Art des Tones, nach seiner Entstehung, wie 
nach seinem Klange, entfernt es sich vom Pianoforte am 
weitesten und kommt der Orgel am nächsten. Die zur 
Tonerzeugung erforderlichen Bestandteile sind beim Harmo¬ 
nium nicht Saiten, aber auch nicht Pfeifen, sondern Metall- 
zungen (meistens von Messing), aber nicht auf einen Metall¬ 
rahmen „aufschlagend“, wie beim alten Regal oder bei den 
aus letzterem entstandenen, mit pfeifen artigen Aufsätzen ver¬ 
sehenen Zungenregistern oder Rohrwerken der Orgel, sondern 
nur an der Wurzel über einem Metallrahmen befestigt und 
frei über der Öffnung schwebend oder „durchschlagend“, wie 
bei der bekannten Mundharmonika. Die tönende, d. h. Schall¬ 
wellen in der Luft erregende Bewegung (Vibration) der Zungen 
wird durch Wind erzeugt. Daher hat das Instrument mindestens 
zwei, gewöhnlich aber drei Bälge, die der Spieler mit den 
Füssen regiert, und zwar in der Regel durch zwei Tretschemel. 
Man nennt letztere auch Pedale (von pes = Fuss), welcher Aus¬ 
druck aber nicht mit dem gleichnamigen zu verwechseln ist, 
der den Fusstasten des sogenannten Orgelpedalharmoniums 
zukommt. — Aus den Bälgen gelangt die komprimierte Luft, 
falls das Instrument nur eine Zungenreihe (ein Spiel), d. h. 
für jede Taste nur eine Zunge hat, ohne weiteres in das 
Zungenhaus (auch Stimmstock genannt), in welchem die Zungen 
befestigt sind. Jede Zunge befindet sich unter einer länglichen 
Öffnung (Cancelle), welche jedoch von oben her durch einen 
mit der Taste in Verbindung stehenden Lederdeckel (Ventil) 
luftdicht verschlossen ist. Tönen kann sie nur dann, wenn 
die unter ihr komprimierte Luft durch das mittelst der Taste
        

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