Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Pianoforte mit konkav-radiärer Klaviatur und konzentrischer Anschlagslinie
Person:
Neuhaus, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38216/7/
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sich bloss an den Gesichtssinn und nicht zugleich an den Tast¬ 
sinn. Jedem gewandten Klavierspieler ist es möglich, im Dun¬ 
keln selbst schwierige Stücke fehlerfrei auszuführen; ob dies 
Jemand auf der chromatischen Klaviatur fertig brächte, möchte 
zu bezweifeln sein. 
Die von mir geplante und in der Pianoforte-Fabrik der 
Herren W. Neuhaus Söhne in Calcar am Niederrhein 
ausgeführte Neuerung besteht in der Anwendung eines der 
natürlichen Armbewegung genau angepassten konkaven Kreis¬ 
bogens, verbunden mit radiärer Anordnung der Tasten in ihrer 
ganzen Länge, so wie der dadurch bedingten konkav-koncen- 
trischen Anschlagslinie. Die Notwendigkeit, auch die An¬ 
schlagslinie der neuen Form anzubequemen, ergiebt sich 
von selbst, wenn man allen Tasten die gleiche Länge giebt. 
Wollte man die gerade Anschlagslinie beibehalten, so sähe man 
sich genötigt, entweder die Tasten von äusserst verschiedener 
Länge zu machen, was eine Ungleichheit in der Spielart und 
eine monstruöse Form des Instruments zur Folge hätte, oder 
denselben nach den Endpunkten der Klaviatur zu eine so 
starke Brechung zu geben, dass sie in Folge derselben als 
Hebel unbrauchbar sein würden. 
Wie ich später zeigen werde, bringt die konkav-konzen¬ 
trische Anschlagslinie für den Bau und mithin für die Leistungs¬ 
fähigkeit der Instrumente unschätzbare Vorteile mit sich. 
Der von mir gewählte Kreisbogen von 99 bis 100 Ctm. 
Badius dürfte beim ersten Versuch manchem als zu eng und 
die Freiheit des Spielers beeinträchtigend erscheinen. Doch 
ist es lediglich die Gewöhnung an die bisherige gerade Linie, 
die zu dieser Meinung veranlasst. Thatsächlich stellt sich der 
bequemste Bogen bei Personen von sehr verschiedener Grösse 
und Schulterbreite*) um ein Geringes verschieden dar, und 
handelte es sich also darum, die mittlere Grösse zu finden. 
*) Aus Quetelet’s Messungen des menschlichen Körpers ergiebt sich, 
dass bei Personen von geringer Schulterbreite die Länge der Arme mehr 
beträgt, als bei Personen von starker Schulterbreite, bei welchen letzteren 
die Arme durchschnittlich verhältnissmässig kurz sind. Dies ist der 
Grund dafür, dass der von mir gewählte Bogen für alle normalen 
Menschen zutrifft.
        

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