Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Eine neue Claviatur. Theorie und Beispiele zur Einführung in die Praxis
Person:
Jankó, Paul von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38215/82/
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geschehen ist, so dass diese Einwendungen ganz fortfallen, wenn dem 
Spieler eine Ausgabe zu Gebote steht, deren Bezeichnungen ihn unterstützen, 
und er nicht ganz allein auf seine eigene geistige Arbeit angewiesen ist. 
Man hat ferner auch die Einwendung gemacht, dass das Umstudiren 
Solchen, die an das gewöhnliche Clavier gewöhnt sind, Schwierigkeiten 
bereiten würde. Dies ist nicht zu leugnen, und die Wichtigkeit des Ein¬ 
spruches für die Praxis soll nicht verkannt werden. Eben deshalb ist bei 
der Farbengebung der Tasten die möglichste Berücksichtigung Derjenigen 
getroffen worden, welche an die alte Claviatur gewohnt sind, und ich will 
auch nicht die theoretisch gerechtfertigte, aber im praktischen Sinn wohl 
werthlose Entgegnung machen, dass es ja auch umgekehrt Schwierigkeiten 
kosten würde — und wahrscheinlich noch grössere — von meiner Claviatur 
auf die gebräuchliche umzustudiren. 
Im Grunde genommen ist die neue Claviatur überhaupt nicht für 
Solche erdacht, die bereits Clavier spielen können, sondern wesentlich darauf 
berechnet, Denen Erleichterungen zu gewähren, welche erst anfangen ; wenn 
es trotzdem viele bereits vorgeschrittene Clavierspieler geben wird, die im 
Hinblicke auf die Vortheile meiner Claviatur die Mühe nicht scheuen 
werden, sich mit derselben vertraut zu machen, so wird dies die Brauch¬ 
barkeit derselben nur noch mehr in Evidenz stellen, wäre aber zum eigent¬ 
lichen Beweis derselben nicht nothwendig. 
Es steht übrigens mit dem Umstudiren auch nicht gar so schlimm. 
Wenn einmal das Unbehaglichkeitsgefühl der ersten paar Wochen glück¬ 
lich überwunden ist, gewinnt das Studium auf der neuen Claviatur täglich 
mehr an Interesse, und da man ja nicht für die Ausbildung der Muskeln 
zu spielen braucht, sondern nur die Localkenntniss in der neuen Anordnung 
sich aneignet, so geht das Studium auch rasch genug vorwärts. 
Das Gelingen der ersten Versuche ist zudem individuell verschieden. 
Ich habe sehr mittelmässige Dilettanten und auch ausgezeichnete Künstler 
auf meinem Harmonium nach einer kaum halbstündigen Versuchszeit 
Accordfolgen und auch bekannte Stücke in langsamerem Tempo ganz 
leidlich herausbringen gehört ; Anderen wollte im Anfang gar nichts ge¬ 
lingen; ich habe aber bis jetzt Keinen gefunden, der nicht nach kurzer Zeit 
aufmerksamer Versuche die Ueberzeugung gewonnen hätte, dass er auf 
keine unüberwindlichen Schwierigkeiten stossen würde, sich auf meiner 
Claviatur einzuspielen. 
Man hat endlich auch die Bemerkung gemacht, dass das Spielen auf 
meiner Claviatur das gewöhnliche Clavierspiel beeinträchtige, dass man nach 
einer Zeit Studiums darauf etwas an Sicherheit auf der gebräuchlichen 
Claviatur einbüsse. 
Obgleich auch dieser Einwand eigentlich keinen Einfluss auf die Ent¬ 
scheidung der Frage haben kann, ob meine Claviatur empfehlenswert!! sei
        

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