Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Eine neue Claviatur. Theorie und Beispiele zur Einführung in die Praxis
Person:
Jankó, Paul von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38215/80/
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der Finger doch nur an einem Punkt an, welchen bis auf drei Centimeter 
Spielraum zu treffen doch von jedem Clavierspieler billigerweise erwartet 
werden kann. 
Eine andere Frage ist es, ob auch wirklich die ganze zum Anschlag 
aufgewendete Kraft in Bewegung des Hammers umgesetzt wird, oder ob 
mindestens der Nutzeffect jenem am gewöhnlichen Clavier gleichkommt. 
Diesbezüglich sind einerseits die Umstände bereits erörtert worden, welche 
eine Kraftersparniss bedeuten, andererseits muss noch auf später folgende 
Bemerkungen verwiesen werden, wo von der mechanischen Durchführung 
meiner Claviatur an Instrumenten die Rede sein wird. 
Nur eine speeielle Art der grössten Kraftentfaltung könnte auf meiner 
Claviatur nicht bethätigt werden, das ist der Anschlag mit dem ausge¬ 
streckten kleinen Finger, wo die ganze Hand auf die äussere Schneide ge¬ 
stellt wird und ihr ganzes Gewicht auf die Taste fällt, weil die drei 
Centimeter der Anschlagsbäckchen in der That nicht ausreichen würden 
für die Länge des fünften Fingers. Dieser Verlust ist aber nicht zu be- 
klager weil durch ihn eben nur ehie Spiel weise entfalle, welche als in¬ 
correct und unpraktisch auch auf dem gewöhnlichen Clavier mit Recht 
verpönt ist, und höchstens nur von Naturalisten zur Anwendung kommen 
kann. 
Es ist auch gesagt worden, dass die neue Claviatur durch ihre Gleich¬ 
förmigkeit das Spiel erschwert, während Andere wieder die Gleichförmig¬ 
keit, namentlich den gleichen Schnitt aller Tastenköpfe für einen der 
» 
bedeutendsten Vorzüge angesehen haben. In der beschriebenen Form bietet 
die neue Claviatur dem Auge dieselben Anhaltspunkte wie die alte; es 
kann sich also blos um die Gleichförmigkeit für das Tastgefühl handeln. 
Ich will nicht leugnen, dass diese Gleichförmigkeit und namentlich der 
Umstand, dass man durch Betasten allein nicht im Stande ist, eine Taste 
zu erkennen, trotz der unabweisbaren Forderung nach gleichen Tonarten, 
somit auch gleichen Tastenköpfen, zu einigem Bedenken Anlass gibt. Tröst¬ 
lich sind allerdings die Versicherungen blinder Clavierspieler, dass die 
Orientirung für sie auf der gebräuchlichen Claviatur nur einmal, zu Anfang 
des Spieles, nothwendig ist; von da an treffen sie mit Sicherheit jede Taste 
selbst nach Pausen, ohne dass es nöthig wäre, die Claviatur zu betasten ; 
dies schien mir auch jener blinde Künstler zu bestätigen, der mein Har¬ 
monium mit der neuen Claviatur einmal versuchte und nach kurzen Er¬ 
läuterungen meinerseits sich darauf ebensogut auskannte wie ein Sehender. 
XXXIV. 
Es ist ferner geltend gemacht worden, dass die technischen Erleich¬ 
terungen, welche meine Claviatur der Hand gewährt, durch Schwierigkeiten 
intelleetueller Art aufgewogen werden könnten ; dass die Mehrheit der
        

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