Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Jankó-Clavier in seiner vollkommenen Ausführung (Boyes-Construction, in Aluminum gefertigt) und Die Frage seiner Existenzberechtigung. Durch Illustrationen erläuterte, nach Möglichkeit kurz gefasste und zugleich erschöpfende Behandlung dieses Gegenstandes
Person:
Boyes, Francis Bryan
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38214/9/
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Druck unter der sechsten Reihe zeigt der Hebel jedoch eine starke 
Neigung umzukippen, wenn derselbe bereits auf seinen zwei Stütz¬ 
punkten, das ist im Drehpunkt, und beim gewöhnlichen Druck 
vorne bei der Führung unter der ersten Reihe, aufruht — und man 
jetzt auf das Bäckchen der sechsten Reihe drückt. Alsdann tritt 
natürlich dieses Kräftedreieck in Function, und dieser Umstand mag 
zu einer unrichtigen Auffassung dieser Sache geführt haben. 
Um irrthümlicher Ansicht vorzubeugen, muss noch ausdrücklich 
darauf hingewiesen werden, dass das Bestreben seitlichen Umkippens 
eines wie vorstehend richtig gebauten, directen, zweifach gebrochenen, 
mit seiner Mechanik belasteten Hebels, bei plötzlich am Unrechten 
Punkte angreifender Kraft (also auf der ersten oder sechsten Reihe) 
und in den ungünstigsten Fällen, beim ersten Bass und letzten Discant¬ 
ton, keineswegs beträchtlich, sondern nur in verhältnismässig geringem 
Grade eintritt, weil die gedachten geraden Linien, welche von der 
ersten oder sechsten Reihe nach dem Angriffspunkte der Last hin¬ 
führen, nur um 8 bis 12 Millimeter nach links, respective rechts, 
vom Drehpunkte entfernt vorbeilaufen, weil der Drehpunkt in jene 
gedachte gerade Linie verlegt wurde, welche zwischen der dritten 
und vierten Reihe beginnend, zum Angriffspunkte der Last hinführt. 
(Beim Zeichnen der Hebel werden jetzt diese schrägen Linien vorher 
wirklich gezogen, und wird vermittelst derselben die mittlere Theilung 
auf dem Wagbalken des Claviaturrahmens gewonnen.) Der schäd¬ 
liche Einfluss ist daher nur ein sehr geringer, welcher infolge des 
im nachstehenden erwähnten Metall-Lagers so gut wie unfühlbar wird. 
Schon im Jahre 1891 konnte Herr Paul von Janko über einen mit 
directen Hebeln noch in Eisen mit massiven Bäckchen, unrichtiger 
mittlerer Theilung etc. etc gebauten Flügel, welcher nach Amerika 
gesendet wurde, das untenstehende Zeugnis*) geben, welches unter 
den damaligen Verhältnissen der Wahrheit genau entsprach. Hieraus 
vermag das P. T. Publicum zu ersehen, wie es daran ist, falls die 
Absicht vorliegt, ein gutes Janko-Clavier anzuschaffen, unter Be¬ 
rücksichtigung der inzwischen hinzugekommenen zahlreichen, sehr 
wesentlichen Verbesserungen, wobei ich unter einem hier die Ueber- 
zeugung ausspreche, dass noch weitere Verbesserungen mir als un¬ 
möglich erscheinen, indem ich mit dieser Sache jetzt offenbar ans 
Ende gelangt bin. 
Anknüpfend daran erwähne ich noch, dass, so verführerisch 
auch das Schlagwort von der »gerade durchlaufenden Kraft« bei 
fächerförmig angeordneten geraden Janko-Hebeln mit Doppelhebeln 
klingen mag, diese Anordnung der Hebel sich praktisch als total 
falsch erweist, indem abgesehen von den so langen, schmalen, zu 
*) Gutachten. 
Ich bestätige mit Vergnügen, dass ich hier Gelegenheit hatte, einen Flügel 
za prüfen, in welchen Herr Otto Heitzmann, Clavierfabrikant in Linz a. d. Donau 
eine Jankö-Claviatur eingebaut hat, die innere Construction nach Angaben des 
Herrn Dr. Francis Boyes, mit Eisenhebeln. Ich kann die Claviatur als eine vor¬ 
züglich gelungene bezeichnen und empfehle daher die Construction des Herrn 
Dr. Boyes, sowie Herrn Heitzmann zur Anfertigung derselben. 
New-York, am 3. März 1891. Paul von Janko.
        

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