Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Jankó-Clavier in seiner vollkommenen Ausführung (Boyes-Construction, in Aluminum gefertigt) und Die Frage seiner Existenzberechtigung. Durch Illustrationen erläuterte, nach Möglichkeit kurz gefasste und zugleich erschöpfende Behandlung dieses Gegenstandes
Person:
Boyes, Francis Bryan
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38214/12/
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Die bei den Klappen der Holzblasinstrumente altbewährte Führung 
des Hebels vermittelst eines in diesen eingelÖtheten Achsenrohres 
(Nabe) durch welches die in dem Ständer befestigte Achse geht? 
empfiehlt sich auch hier mit einer kleinen Modification als das Beste. 
Da das in dem durchlochten Aluminiumstab fest hineingetriebene 
Packfongrohr nicht gut durch Löthung mit dem ersteren verbunden 
werden kann, so steckte der Herr Clavierkapsel- und Bänderfabrikant 
J. Breicha*) in Hetzendorf in Wien zwei kleine Messingscheibchen 
von links und rechts auf die hervorstehenden Enden des Rohres, 
welche durch Vernietung mit demselben in feste Verbindung gebracht 
werden, was sehr einfach und leicht zu machen ist und sich gut 
bewährt. Nun die seitliche gleitende Führung der geschliffenen und 
geölten Flächen im Lager in Wegfall gekommen und durch dieses 
bessere Lager ersetzt ist, nebst den vielen anderen bereits erwähnten 
Verbesserungen, ist es mit Bestimmtheit voraus\usehen, dass auch mit 
directem Hebel (namentlich bei Flügeln mit englischer Mechanik und bei 
Pianinomechanik) überaus vorzügliche Instrumente zustande kommen. 
Im Vergleich zur Construction mit dem Doppelhebel ist beim 
directen Hebel Folgendes zu bedenken. Wegen der Enge der Janko- 
Tastatur, die hier mit den directen Hebeln in fester Verbindung sich 
befindet und wegen der doppelten Führung des vorderen Holzes, 
hinten oben beim sogenannten Kamm und vorne unten bei der 
gewöhnlichen Führung, ist es immerhin ein wenig schwierig, die 
ganze Claviatur gleichmässig ohne einige faul gehende Tone her¬ 
zustellen, denen zu Liebe man dann das Ganze unnöthigerweise 
anbleien müsste. Durch Uebung, Fleiss und sorgfältigen Gebrauch 
des im Nachstehenden erwähnten Hilfsapparates, lässt es sich mit 
dem gefügigen Material der Aluminiumstangen, allerdings ohne An¬ 
stand ganz vollkommen zustande bringen. Dass eine ganz neue Art 
und Weise, eine neue Claviatur zu bauen, von einem Hilfsarbeiter 
einige Uebung voraussetzt, damit derselbe seine Arbeit ganz correct 
ausführen kann, darf man der Construction selbst nicht als einen 
Mangel anrechnen. Metall-Lager kommen theurer zu stehen als Holz¬ 
lager, doch ist dieses letzte Metall-Lager aus den Abschnitten eines ge¬ 
zogenen Messingstabes relativ leicht anzufertigen. Beide Varianten 
meiner Construction liefern vorzügliche Claviere, die mit dem Doppel¬ 
hebel ist theoretisch die richtigste. Nach dem Modell von Ton Nr. i 
zu urtheilen, functioniert der so verbesserte directe Hebel dermassen 
vorzüglich, dass es wohl sein mag, dass diese Ausführung bei Flügeln 
mit englischer Mechanik und Pianinos schliesslich den Sieg davon¬ 
trägt, denn der geringe Fehler dieser Kraftübertragung ist dabei auf 
ein solches Minimum herabgedrückt, dass man denselben gar nicht 
mehr spürt. Diese Lager halten das Oel sehr gut und brauchen nur 
ein- bis zweimal im Jahre geschmiert zu werden, was sehr leicht 
von statten geht. 
Bei der ganz correcten Kraftübertragung miteist Doppelhebel 
kann man jedoch die in diesem Falle sehr einfachen Lager leicht und 
*) Derselbe fertigt seit Jahren alle Metallbestandtheile meiner Construction 
mit richtigem Verständnis und freundlichstem Entgegenkommen, und kann ich 
denselben daher auf das Beste empfehlen.
        

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