Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Neuklaviatur. Ihre Vortheile gegenüber den Nachteilen der alten. Ein Aufruf zur Beherzigung an alle Musiker und Dilettanten, Klavier-Lehrer und Fabrikanten
Person:
Vincent, Heinrich Josef
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38212/33/
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Während ich dies schreibe, erhalte ich einen Brief von 
Gr. Hüllmann, dem zweiten Verfertiger einer Proheklaviatur. 
Er spricht folgendes in seinem Brief, datirt vom 26. Dez. 1874 
aus Königsberg: 
Sehr geehrter Herr! 
Indem ich Ihnen meinen besten Gruss übersende, verfehle 
ich nicht weitere Mittheilungen über meine Erfahrungen bei 
der neuen Klaviatur zu machen. Wenngleich ich täglich nur 
ein Stündchen üben kann, und mein Geschäft es verlangt, dass 
ich von früh bis spät auf der alten Klaviatur liege, so ist es 
zu meiner grossen Freude mir doch gelungen, ein Mehreres von 
Stücken fertig und fliessend spielen zu können; mit jedem Tage 
fühle ich mich sicherer und kann konstatiren, dass, ebenso 
regelmässig wie die Tasteneintheilung ist, auch der Fingersatz 
bei allen Stücken sich präcisirt, sodass man mit einmaligem 
genauen Durchgehen desselben, wie ihn die Tonleiter vorschreibt, 
präcise und glatt hintereinander spielen kann. Ich muss Ihnen 
gestehen, dass, wenn ich auch Liszt und Chopin spiele, ich 
nicht immer im Stande bin, bei fliessend vorzutragenden Oktav¬ 
tonleitern und Terzengängen den akkuraten Fingersatz bei der 
alten Klaviatur zu beherrschen, während dagegen auf der Neu¬ 
klaviatur mir die Terzen- und Sextengänge mit beiden Händen 
schon in einigen Minuten gelangen und mir auch fest blieben. 
Die Regelmässigkeit in dem Bau der Intervalle, die gleich- 
mässigen Verhältnisse, unter denen sich die Akkorde vor dem 
Auge aufbauen, können mich nur zu der Ueberzeugung drängen, 
dass diese neue Klaviatur die verkörperte Harmonielehre ist. 
Ihnen, werther Herr, sage ich meinen besten Dank für die 
Anregung und werde ich stets Ihre Idee festhalten, mich ganz 
der Sache widmen, um den Vortheilen vollständig auf den Grund 
zu kommen. 
Ihr ganz ergebener 
G. Hüllmann, 
»v 
Dies eingeschobene Intermezzo in unsre Abhandlung bewahr¬ 
heitet auf das entschiedenste, dass unsre bisherigen Aufstellungen 
und Folgerungen, die wir aus der Neuklaviatur zogen und zwar 
vom theoretischen Standpunkte aus, keine phantastischen, illu¬ 
sorischen sind. Die Praxis spricht für sie, und zwar nach 
vielleicht einmonatlicher einstündiger täglicher Uebung. Wir brair- 
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