Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Neuklaviatur. Ihre Vortheile gegenüber den Nachteilen der alten. Ein Aufruf zur Beherzigung an alle Musiker und Dilettanten, Klavier-Lehrer und Fabrikanten
Person:
Vincent, Heinrich Josef
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38212/10/
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er endlich den Drachen Unnatur glücklich besiegt — dann be¬ 
lohnten den tapfern Virtuosen — Blumen und Kränze. Dieses 
heroische Zeitalter wäre um für den Virtuosen, und zwar ganz 
und gar mit der Neuklaviatur; — wer sich aber noch gegen sie 
sträubt, das kann nur ein Virtuose sein, und zwar im schlim¬ 
men Sinne des "Wortes, ein Name, der längst schon gerade kein 
Ehrentitel; ein solcher Virtuose ist eben nur der, dem das 
Mittel Selbstzweck ist. Freuen sollte mich’s, wenn nicht 
auch das Gros der Klavierlehrer in Opposition treten möchte. 
§ 5. 
Zierlichere (restait der Zukunftsklaviere, eine Folge der 
schmäleren Tastatur. 
Der Klavierfabrikanten Streben war von jeher dahin ge¬ 
richtet, den schweren Concertflügel zu ersetzen durch ein leich¬ 
teres Instrument; daher die Pflege des Pianino, als eines ge¬ 
fälligem, wenig Kaum beanspruchenden Möbels. Durch Auf¬ 
nahme der Neuklaviatur, wobei 7 Oktaven höchstens 6 jetzige 
Oktaven breit sein können, kann die Form des Klaviers an 
Zierlichkeit nur gewinnen, ohne dabei an Fülle des Tons zu 
verlieren. Wir brauchen ja keine Rieseninstrumente. Das Maass 
für das Instrument geht von der Neuklaviatur aus, und diese 
von der menschlichen Hand; die sei uns Maassstab. 
§ 6- 
ßeduzirung der24 Dur- und Mollskalen auf nur zwei: 
Dur und Moll. 
Jede Dur- oder Mollskala, theoretisch gleich, ist es auch 
jetzt auf dem Klaviere. Jede Skala, ob Dur, ob Moll, ist 6 mal 
gleich, d. i. eine Ober- oder Untertonart, je nachdem ihr Ton, 
von dem sie den Namen trägt, ihre Tonika, einer Ober- oder 
Untertaste angehört. Diese zweierlei Ober- oder Untertonarten 
sind ihrer Structur nach einander ganz gleich, praktisch, weil 
theoretisch, und das Piano ist somit erst jetzt der wahre Inter¬ 
pret der theoretisch gleichen 12 Tonarten, Dur und Moll, denn 
jedes Tetrachord in seinem Schritte von 3 zu 4, und von 7 zu 8 
folgt sich ganz gleich auf dem Piano nach dem theoretischen
        

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