Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur mikroskopischen Anatomie des Blutgefässsystems der Tunikaten. Nebst Bemerkungen zur Phylogenese des Blutgefässsystems im Allgemeinen. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der philosophischen Doktorwürde, Universität Zürich
Person:
Fernandez, Miguel
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38205/51/
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Herzens. Sie bilden nichts Endothelähnliches: bei den größeren 
Gefäßen finden sie sich durchaus nicht auf dem ganzen Querschnitt 
regelmäßig verteilt, sondern häufig genug sind sämtliche Kerne 
auf nur 1/i bis 1 /s desselben zusammengedrängt, während der 
übrig bleibende größere Teil jeder zelligen Umgrenzung bar ist. 
In kleineren Gefäßen trifft man häufig auf einem Schnitt eine 
Wandzelle, während eine ganze Reihe weiterer Schnitte überhaupt 
keine Wandzellen zeigen. Eine derartige Anordnung schließt aber 
von vornherein den Begriff eines „Endothels“ (in dem Sinne, wie 
man ihn gewöhnlich braucht) aus. Die kleinsten Gefäße weisen 
meist auf sehr vielen hintereinander liegenden Schnitten überhaupt 
keine Wandzellen auf; sie sind häufig kaum so weit, daß ein Blut¬ 
körperchen sich hindurchzwängen kann, und die Anwesenheit 
eines solchen verrät oft allein das Vorhandensein eines Gefäßes. 
Da aber Seeliger an großen Monascidien durch seine Methylen¬ 
blaumethode ein „Endothel“ nachweisen zu können glaubte, scheint 
es mir nicht unnötig, folgende Beobachtung anzuführen, nach 
welcher wenigstens für S. bicaudata das Vorkommen jeglicher 
endothelähnlichen Bildung (im Sinne der Histologen) auszuschließen 
ist. Während meines Aufenthalts in Villefranche waren bei allen 
jungen Ketten von S. bicaudata und S. africana die 5—10 kleinsten, 
d. h. jüngsten Individuen hellgelb gefärbt. Herr Dr. Davidoff 
war so gütig, mir mitzuteilen, daß diese Erscheinung sehr häufig 
sei, daß er sie für durch Infektion zu stände gekommen halte, 
und daß diese, da stets nur an jungen Ketten die jüngsten Tiere 
infiziert erscheinen, wahrscheinlich beim Loslösen der Kette vom 
Stolo des Muttertieres erfolgen müsse. Ich pflichte dieser Ansicht 
durchaus bei. — Eine nähere Untersuchung ergab, daß der Sitz 
der Infektion bei beiden Arten ein ganz verschiedener war. Bei 
S. maxima fanden sich die gelben, die Farbe bedingenden Körnchen 
ausschließlich in den Zellen der Pharynxwand. Sie füllten die¬ 
selben gepfropft voll aus und ergaben Bilder, auf welchen die 
polygonale Zellform derselben durchaus deutlich hervortrat. Bei 
S. bicaudata hingegen war die Färbung auf die Gefäße beschränkt, 
es färbten sich nur deren Wandzellen, wodurch die Gefäße als 
zierliches Flechtwerk hervortraten (Fig. 29). W odurch diese 
Electivität bewirkt wurde, kann ich nicht sagen. Jedenfalls aber 
erschienen die infizierten Gefäßwandzellen als gebildet aus ver¬ 
hältnismäßig kleinen, sehr verschieden gestalteten Zellleibern, von 
denen außerordentlich lange, sich verästelnde Fortsätze ausgingen. 
Diese Fortsätze traten infolge der gelben Körner sehr deutlich 
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