Bauhaus-Universität Weimar

Beiträge zur Embryologie der Gürteltiere. 
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auf die Entwicklung anders verhält als die Mulita, und zwar, daß 
er in anbetracht der Form des Uterus primitiver ist. 
1) Betreffs der Keimblätterinversion ist die Ähnlichkeit des jüngsten 
untersuchten Stadiums (43) mit den entsprechenden von Mus und Cavia 
unverkennbar; später aber kommen doch viele Momente hinzu, die 
den Nagern fremd sind, wie z. B. die Form des Dottersackkreislaufes. 
Da ja im allgemeinen eine Ähnlichkeit in den Embryonalhüllen einen 
Schluß auf phylogenetische Verwandtschaft nicht gestattet, darf man 
auch, wenigstens vorläufig, der Keimblätterinversion keine Wichtig¬ 
keit mit Bezug auf das Problem der Abstammung der Xmarthra bei¬ 
messen: Dies gilt umsomehr, als neuerdings auch bei andren Gruppen 
»Anfänge« einer Keimblätterinversion nachgewiesen wurden; so zeigt 
beispielsweise ein von Jakob beschriebener sehr junger menschlicher 
Embryo eine Höhle, die dieser Forscher mit der Trägerhöhle der 
Nagetiere vergleicht. Wie wir gesehen haben, besitzt die Mulita 
eine Reihe von Eigentümlichkeiten, die sich auch bei den Primaten 
finden, z. B. die Form des Dottersackkreislaufes und den Bauchstiel. 
2) Die spezifische Polyembryonie tritt bei der Mulita (und mög¬ 
licherweise einigen Verwandten) vollkommen unerwartet auf, da, ab¬ 
gesehen von den etwaigen Zwillingsbildungen bei Säugetieren, und 
besonders bei den Formen mit telolecitalen Eiern, sowie den experi¬ 
mentellen Doppelbildungen, etwas der spezifischen Polyembryonie 
Ähnliches den Vertebraten überhaupt fehlt. Bei den Wirbellosen sind 
Fälle, in denen Embryonen oder junge Tiere sich durch Teilung 
oder Knospung vermehren, häufiger. Hierher gehört beispielsweise 
unter den Tunicaten die Entstehung der ersten vier Tiere der Kolonie 
von Pyrosoma aus dem Cyathocoid; die Bildung der »Doppelem- 
fivyonen« bei Dyplosoma Listen] ferner die successive Knospung der 
üryozoa cyclostomata. Soweit mir eine Orientierung möglich war, 
scheint mir aber die Germinogonie (Brandes), wie sie bei Lumbricus 
bapezoides nach Kleinenberg 1 vorkommt, und diejenige der para¬ 
sitischen Hymenopteren den Verhältnissen bei Mulita am nächsten 
Zn kommen. Bei Lumbricus trapexoides beginnt sich der Embryo 
zu teilen, ehe die Gastrulation ganz beendet ist, und die beiden ent¬ 
stehenden Embryonen trennen sich alsbald vollständig. 
Die spezifische Polyembryonie der parasitischen Hymenopteren 
j>at vor allem P. Marchal in einer Reihe von Mitteilungen (1898 
ois 1904) und besonders in einer 1904 erschienenen größeren Arbeit 
1 Zitiert nach Balfour: Traité d’Embryologie. T. I. pag. 301 und Fig. 166.
        

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