Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Lamina spiralis membranacea. Ein Beitrag zur Kenntniss des inneren Gehörorgans
Person:
Deiters, Otto
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38061/6/
3 
solche Verhältnisse die Vermuthungen der verschiedenen 
Autoren zu hören, von denen wir jetzt wissen, dass sie 
mit damaligen Hülfsmitteln nicht zu entscheiden waren. Es 
dauerte verhältnissmässig lange, bis diese Ergänzungen 
der alten Lehre zugefügt wurden. Fast das ganze sieb¬ 
zehnte Jahrhundert verging darüber. Trotz vielfacher Dis- 
cussionen fand eine wesentliche Veränderung nicht statt. 
Der Opposition Biolan's gegen die Existenz einer häuti¬ 
gen Schnecke trat gleich anfangs Caspar Bauhin entschie¬ 
den entgegen, dem sich die späteren anschlossen. Unter 
diesen verdienen Du Verney und Schelhammer besondere 
Erwähnung. Das Argument des letzteren, dass an der in- 
nern Schneckenwand sicher beobachtete Blutgefässe ohne 
eine sie tragende Membran nicht denkbar seien, ist für den 
modernen Histologen interessant genug. 
Der Hauptpunkt, welcher den ersten Bearbeitern zu einer 
genauem Kenntniss der gröberen Verhältnisse der Schnecke 
noch fehlte, ist die Charakterisirung der Spitze der Schnecke, 
insbesondere die Thatsache der hier statt findenden Com- 
munikation beider Treppen. Zuerst erwähnt von Méry, 
dann von No guis und Winslow, haben wir die erste ge¬ 
nauere Beschreibung dieser Verhältnisse durch Cassebohm 
erhalten. Allen Früheren, selbst dem genauen Valsalva wa¬ 
ren diese Verhältnisse entgangeu. Seit Cassebohm wissen 
wir, dass das Spiralblatt, sowie es zur Höhe der dritten 
Schneckenwindung gekommen ist, sich von seiner Befesti¬ 
gung mit der Axe (Spindel, Modiolus) abhebt und als ein 
freier sichelförmiger Haken in den Kaum hineinragt, der 
von der dritten (halben) Windung der Schnecke gebildet 
wird. Indem die Spitze dieses Hakens sich an der innern 
Wand dieses Raumes festsetzt, entsteht ein Loch, gebildet 
von dieser inneren Wand einerseits und dem concaven 
Rande des Hakens anderseits, durch welches eben die Com- 
munikation beider Treppen stattfindet. Der Haken, an des¬ 
sen Bildung auch der von Valsalva als Zona mollis coch¬ 
leae bezeichnete häutige Theil des Spiralblattes Theil nimmt, 
heisst Hamulus s. Rostrum laminae spiralis; der Raum da¬ 
gegen, in welchen er hineinragt — Scyphus s. Infundibulum.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.