Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien über die Proteinbildung in reifenden Pflanzensamen
Person:
Schulze, E. E. Winterstein
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37822/3/
Studien über die Proteinbildung in reifenden Pflanzensamen. 433 
tungen neben Aminosäuren auch Amide, die gleich dem As¬ 
paragin und Glutamin durch heiße verdünnte Säuren unter 
Ammoniakabspaltung zersetzt werden. Welche einzelnen Glieder 
dieser Stoffgruppen vorhanden waren, ist von Emmerling 
nicht untersucht worden. Einen Beitrag zur Beantwortung dieser 
Frage lieferte später N. Wassilieff1 2) durch Versuche, für 
welche verschiedene Leguminosen (Lupinus albus, Lupinus lu- 
teus, Lupinus angustifolius und Rubinia pseudacacia) als Ob¬ 
jekte dienten. In den unreifen Samen dieser Leguminosen fand 
Wassilieff Asparagin, Arginin, Histidin und Phenylalanin; 
wahrscheinlich war auch Aminovaleriansäure (Valin) vorhan¬ 
den. Durch eine zweite, erst vor kurzem publizierte Unter¬ 
suchung*) hat Wassilieff zwar unsere Kenntnisse über die 
Qualität der in unreifen Samen sich vorfindenden Stickstoff¬ 
verbindungen nicht wesentlich erweitert, aber er hat doch 
einige Beobachtungen gemacht, die hier Interesse beanspruchen 
können. Er zeigte u. a., daß die Samenhülsen Stickstoffverbin¬ 
dungen an die reifenden Samen abgeben und demnach als 
Reservestoffbehälter dienen;3) ferner wies er nach, daß beim 
Auf bewahren der unreifen von der Pflanze abgetrennten Früchte 
von Lupinus albus das in letzteren enthaltene Asparagin auf 
Kosten anderer Stickstoffverbindungen eine Zunahme erfährt. 
Daß dies so sein würde, ließ sich von vornherein erwarten, 
denn es ist von früher her bekannt, daß in jungen grünen 
Pflanzenteilen Asparagin sich bildet, wenn man dieselben unter 
geeigneten Bedingungen auf bewahrt.4) 
Einige im Jahre 1905 von uns ausgeführte Versuche, für 
welche Pisum sativum, und zwar die als «Zuckererbse» be- 
> V 
0 Journal für experimentelle Landwirtschaft (russisch), 1904, S. 34. 
2) Berichte der Deutschen botanischen Gesellschaft, Jahrgang 1908. 
3) W as sili eff bewahrte die vom Stamme abgetrennten Früchte unter 
solchen Bedingungen auf, daß sie nicht austrocknen konnten. Nach Ver¬ 
lauf von einigen Tagen hatte die in den Hülsen enthaltene absolute Stick¬ 
stoffmenge sich verringert, freilich nur um einen geringen Betrag. Gleich¬ 
zeitig hatte die Proteinmenge in den Hülsen abgenommen; es hatte also 
Zerfall von Proteinstoffen stattgefunden. 
4) Wir verweisen auf die Abhandlung von E. Schulze und E. Boss- 
hard, Diese Zeitschrift, Bd. IX, S. 420.
        

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