Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien über die Proteinbildung in reifenden Pflanzensamen
Person:
Schulze, E. E. Winterstein
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37822/1/
Studien über die Proteinbildung in reifenden Pflanzeneamen. 
Von 
E. Schulze und E. Winterstein. 
(Aus dem agrikulturchemischen Laboratorium des Polytechnikums in Zürich.) 
(Der Redaktion zugegangen am 21. März 1910.) 
Während wir über die chemischen Vorgänge, die beim 
Abbau der Proteine in den Pflanzen nacheinander sich ab¬ 
spielen, schon weitgehende Kenntnisse besitzen,1) ist dagegen 
der Verlauf der in den Pflanzen sich vollziehenden Protein¬ 
synthese noch unaufgeklärt. Zwar steht fest, daß der in den 
Proteinmolekülen sich vorfindende Stickstoff in letzter Linie 
entweder den in die Wurzeln der Pflanzen eingetretenen Am¬ 
moniaksalzen und Nitraten oder, falls Mikroben mitwirken, 
der Atmosphäre entstammt ; auch wissen wir, daß nach den 
Orten, an denen in den Pflanzen Proteine in reichlicher Menge 
sich bilden, häufig organische Stickstoffverbindungen (Amide) 
hinfließen, deren Verwendung zur Bildung von Proteinen nicht 
zu bezweifeln ist. Wie aber bei Verwendung dieser oder an¬ 
derer Materialien die Synthese der Proteine sich vollzieht,, 
wissen wir zurzeit nicht. Auch ist nicht zu erwarten, daß 
es bald möglich sein wird, diese Frage zu beantworten. Denn 
die ihrer experimentell en Erforschung entgegenstehenden Schwie¬ 
rigkeiten sind ohne Zweifel außerordentlich groß. Um zum 
Ziele zu gelangen, wird man voraussichtlich die beim Studium 
der Konstitution der Proteine erhaltenen Resultate mit den an 
l) Zur Begründung dieses Ausspruchs verweisen wir auf die Ab¬ 
handlungen von E. Schulze «Ober den Abbau und den Aufbau organi¬ 
scher Stickstoffverbindungen in den Pflanzen» (Landw. Jahrbücher, 
Bd. XXXV, S. 621—666) und von F. Ehrlich, «Über die chemischen 
Vorgänge des pflanzlichen Eiweißstoffwechsels und ihre Bedeutung für die 
alkoholische Gärung und andere pflanzenphysiologische Prozesse» (ibidem 
1909, Ergänzungsband V, S. 289—327).
        

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